Kirk Kerkorian
Ein Spekulant sucht sein Schicksal

Kirk Kerkorian versucht es ein zweites Mal: Der US-Milliardär will Chrysler ganz allein für sich haben. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Verkauf des amerikanischen Autobauers. Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche kann das Milliardenangebot Kerkorians nur recht sein.

FRANKFURT/LOS ANGELES. Detroit, kurz vor Ostern 1995: Chrysler-Chef Robert Eaton will gerade zum Flughafen aufbrechen, um mit dem Gulfstream-Firmenjet nach New York zu jetten, als ihn ein Anruf aus den Schweizer Alpen erreicht. Zunächst erkennt Eaton den deutschen Akzent am anderen Ende nicht. Er gehört Helmut Werner. Der Chef von Mercedes-Benz macht Skiurlaub.

„Hallo Bob“, sagt Werner zu Eaton: „Ich habe über die Geschichte mit Ihrem Aktionär gelesen. Glauben Sie, es gibt eine Chance, dass wir Ihnen helfen können, aus diesem Problem wieder herauszukommen?“

Ein paar Tage später treffen sich ein halbes Dutzend Automanager in New York. Bob Eaton hat seinen Vize Bob Lutz dabei und zwei weitere Chrysler-Männer. Helmut Werner sekundieren Jürgen Hubbert und Vertriebschef Dieter Zetsche. Die Deutschen schlagen Eaton eine größere Kooperation vor, um Märkte wie Indien oder China zu erobern. Daimler plus Chrysler: Wäre das nicht was?

Eaton weiß nicht so recht, und Lutz ist überhaupt nicht begeistert. Aber für den Chrysler-Chef kommen die Avancen aus Stuttgart gerade recht, denn Eaton wird gejagt.

Ein 77-jähriger Ex-Preisboxer ist hinter seinem Autokonzern her: Kirk Kerkorian. Am 10. April 1995, heute vor zwölf Jahren, hat der Milliardär den Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet. Er bietet 55 Dollar pro Aktie – 40 Prozent mehr als der letzte Börsenkurs. Kerkorian bewertet Chrysler mit fast 23 Milliarden Dollar. Die Übernahme wäre der größte Deal nach der des Lebensmittelkonzerns RJR Nabisco 1988.

Seit dem vergangenen Donnerstag ist Kirk Kerkorian erneut hinter Chrysler her. Zwei Dinge sind anders als vor zwölf Jahren: Chrysler gehört seit neun Jahren zu Daimler-Chrysler und ist – wenn es nach Kerkorian geht – viel weniger Wert: 4,5 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro).

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