Kläger wirft Autokonzern verschleppte Ad-hoc-Mitteilung vor
Der erste Aktionär klagt gegen Daimler-Chrysler

Die Münchener Anwaltskanzlei Rotter hat Schadenersatzklage gegen Daimler-Chrysler beim Landgericht Stuttgart eingereicht. Es geht um die angeblich verschleppte Ad-hoc-Mitteilung zum Rücktritt von Vorstandschef Jürgen Schrempp.

HB/der MÜNCHEN. „Nach uns vorliegenden Informationen stand bereits mindestens fünf Wochen vor der Bekanntgabe des Rücktritts durch die Daimler-Chrysler AG der Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp fest“, erklärte Klaus Rotter am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Diese Insidertatsache sei aber erst am 28. Juli um 10:32 Uhr per Ad-hoc-Meldung veröffentlicht worden. Die Kanzlei klagt für einen namentlich nicht genannten Mandanten.

Dass Jürgen Schrempp als Daimler-Chrysler-Chef zurücktreten würde, wussten nach ersten Erkenntnissen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Staatsanwaltschaft mehr Menschen als nötig. Demnach hätte der Konzern schon frühzeitig eine Ad-hoc-Mitteilung herausgeben müssen. Weil er das versäumt hat, droht eine Flut von Aktionärsklagen. Die Argumentation der Anwälte: Weil Daimler-Chrysler nicht frühzeitig bekannt gegeben hat, dass Schrempp zurücktritt, haben viele Aktionäre ihre Papiere schon vorher zu niedrigen Kursen verkauft. Dadurch verfehlten sie den Kurssprung am 28.7., dem Tag der Bekanntgabe des Rücktritts, als die Aktie binnen kürzester Zeit um rund 10 Prozent zulegte. „Im konkreten Fall hatte der Mandant der Kanzlei 90 Minuten vor Bekanntgabe der Ad-hoc-Meldung Aktien verkauft und dabei nur einen Erlös von 36,50 Euro erzielt“, erklärte Rotter.

Diese Ansicht ist allerdings unter Juristen umstritten. Frankfurter Fachanwälte äußerten Zweifel daran, ob die bloße Absichtserklärung von Schrempp und Gespräche mit Aufsichtsratschef Hilmar Kopper schon zwangsläufig zu einer Pflichtmitteilung hätten führen müssen. Die Bestimmungen des Wertpapierhandelsgesetzes seien vage, auch fehle eine fundierte Rechtsprechung.

Eine auf Anlegerrecht spezialisierte Tübinger Kanzlei erklärte am Donnerstag, mit den bislang vorliegenden Informationen lasse sich eine Klage gegen den Autokonzern nicht begründen. Man gebe auch zu bedenken, dass bei einer Verletzung der so genannte „Ad-hoc- Vorschriften“ stets die Schwelle der groben Fahrlässigkeit überschritten sein müsse. Außerdem müssten seit dem neuen Finanzmarktförderungsgesetz vom 1. Juli 2002 Anleger vor Gericht konkret den Beweis erbringen, dass sie ihre Aktien nicht verkauft hätten, wenn sie über den Rücktritt Schrempps informiert gewesen wären.

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