Klärung vor Gericht
Aus für Pfizer-Kampagne

Der Pharmahersteller Pfizer lenkt ein. Er will seine umstrittene Kampagne für den Cholesterinsenker Sortis nicht fortsetzen. Dies sicherte das Unternehmen dem Bundesverband der Verbraucherzentralen verbindlich zu, teilte die Wettbewerbszentrale am Donnerstag in Berlin mit.

HB BERLIN. Eine Firmensprecherin kündigte an, Pfizer werde die Öffentlichkeit dennoch weiter über die „Fehlentscheidung“ informieren, die Erstattung des Cholesterinsenkers „Sortis“ für Kassenpatienten zu begrenzen. Den Streit um die Preisfestsetzung für Sortis will das Unternehmen gerichtlich klären lassen.

Die Verbraucherschützer begrüßten das Einlenken des Unternehmens: Der Streit um Arzneimittelpreise dürfe nicht über die Ängste der Patienten geführt werden. Mit der Unterlassungserklärung verzichte Pfizer darauf, die beanstandeten Anzeigen weiter zu schalten, in denen für vollständige Erstattung des Arzneimittels durch die Krankenkassen geworben wird.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hatte die Annoncen als Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz beanstandet und Pfizer abgemahnt. Solche Werbung sei für rezeptpflichtige Medikamente nicht zulässig. Hintergrund der Anzeigenkampagne ist die Einbeziehung von Sortis in die Festbetragsregelung der Krankenkassen: Durch die Festbeträge werden Höchstpreise auch für Scheininnovationen ohne besonderen Nutzen festgelegt. Pfizer preist seinen Cholesterinsenker Sortis dagegen als besonders wirksam und sieht einen höheren Preis für gerechtfertigt.

Der weltgrößte Pharmahersteller ist deshalb entschlossen, den Streit um die Preisfestsetzung für Sortis vor dem Sozialgericht Berlin klären zu lassen. Das bestätigte Deutschland-Chef Walter Köbele der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). Dem Bericht zufolge könnte die Klage dazu führen, dass die von Pfizer beanstandete Festpreisregelung der Bundesregierung nicht wie geplant Anfang 2005 in Kraft treten kann. Offen sei, ob sich auch andere Pharmafirmen - wie etwa Novartis - der Klage anschließen.

Unterdessen wurden Differenzen bei den Kassenärzten über den Umgang mit der Pfizer-Kampagne sichtbar. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe distanzierte sich von der Pfizer- Kritik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Wir wollen uns nicht an die Spitze einer Bewegung stellen, die den freien Markt der Pharmaindustrie sozialisieren will“, sagte KV-Chef Ulrich Thamer dem Internet-Nachrichtendienst facharzt.de.

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