Klage abgelehnt
Flugrouten gehen weiter über Chemiewerk Ticona

Die Flugrouten am Frankfurter Flughafen werden weiterhin über das Chemiewerk Ticona hinwegführen. Ein Gericht lehnte die Klage des Chemiewerks ab und gab dem Unternehmen die Verantwortung für mögliche Umweltgefährdungen, wenn ein Flugzeug abstürzen sollte.

HB KASSEL. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel wies am Dienstag eine Klage von Ticona auf Verlegung der Routen ab. Aus Sicht der Richter ist die europäische Richtlinie zum Schutz vor Chemieunfällen (Seveso-II-Richtlinie) für Flugrouten nicht anwendbar. Auch bei Berücksichtigung dieser Richtlinie komme das Gericht nicht zu einem anderen Ergebnis. Denn das Absturzrisiko über dem Chemiewerk sei nicht höher als bei anderen An- und Abflugrouten an Europas drittgrößtem Flughafen, urteilte das Gericht. Die Umweltgefährdung im Falle eines Flugzeugunfalls werde vom Werk selbst verursacht, da dort hochgiftige Chemikalien verarbeitet würden.

Der Rechtsstreit ist indirekt Teil der Auseinandersetzung um den Bau einer weiteren Landebahn in Frankfurt, die ebenfalls in der Nähe des zum amerikanischen Celanese-Konzern gehörenden Ticona-Werks entstehen soll. Ticona lehnt den Ausbau des Flughafens an dieser Stelle ab. Die hessische Landesregierung hatte in der Vergangenheit bereits mit einer möglichen Enteignung gedroht.

Ticona behält sich nach dem Urteil weitere rechtliche Schritte vor. Zunächst müsse die Begründung der Entscheidung geprüft werden. Das Verwaltungsgericht ließ die Revision zu. Ticona hatte bereits bei Einreichen der Klage im vorigen Jahr angekündigt, die Klage bei einem Scheitern in Deutschland auch dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen.

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