Klage
Gläubiger fechten Pfleiderer-Sanierung an

Durch einen Kompromiss mit seinen Gläubigern konnte der Holzverarbeiter Pfleiderer eine Pleite gerade noch abwenden. Doch der Rettungsplan steht auf der Kippe: Einige Kleinanleger wollen den Beschluss anfechten.
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FrankfurtDer Sanierungsplan des Holzverarbeiters Pfleiderer wird nun auch die Gerichte beschäftigen. Die Siegburger Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte will gegen den Gläubiger-Beschluss für den Rettungsplan des bayerischen Unternehmens am Mittwoch beim Landgericht Frankfurt Klage einreichen, wie Rechtsanwalt Daniel Vos am Dienstag sagte. Damit droht dem schwer angeschlagenen Konzern kurz vor der für Donnerstag angesetzten Abstimmung der Aktionäre über den Sanierungsvorschlag neues Ungemach. Der Holzverarbeiter wollte sich nicht zu der Klage äußern. 

Pfleiderer hatte am 20. Juni mit dem Beschluss der Hybrid-Gläubiger, die eine 2007 an den Markt gebrachte Anleihe im Volumen von 275 Millionen Euro vertreten, eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Sanierung genommen. Mit 88 Prozent stimmten sie überraschend deutlich für das Konzept, obwohl dieses vorsieht, dass sie auf alle Forderungen aus der Anleihe verzichten und dafür im Gegenzug zusammen vier Prozent der Aktien bekommen - mit der Chance von einer erfolgreichen Restrukturierung über steigende Kurse zu profitieren. Hätten sie dem Plan nicht zugestimmt, wäre Pfleiderer rasch Pleite gewesen. 

Rechtsanwalt Vos kritisierte, es hätte zwei Versammlungen geben müssen - eine zur Information und eine für die Beschlüsse. Da die Anleiheurkunde nicht geändert worden sei, seien die weiteren Beschlüsse ohne hinreichende Rechtsgrundlage gefasst worden. Zudem hätten den Gläubigern wichtige Informationen gefehlt. So seien Geschäftsprognosen bis 2015 aus dem Restrukturierungsgutachten von Roland Berger geschwärzt gewesen. Dem Anwalt zufolge wollen die Kleinanleger Pfleiderer an den Verhandlungstisch zwingen, um Nachbesserungen durchzusetzen. Auch die „Welt“ berichtete über die bevorstehende Klage. 

Banken und Hedgefonds haben bereits zugestimmt, auf einen Teil ihrer Forderungen gegen Pfleiderer zu verzichten und frisches Kapital nachzuschießen. Allerdings müssen auch die Aktionäre noch grünes Licht geben. Sie sollen am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns über den Rettungsplan entscheiden. Notwendig ist eine Quote von 75 Prozent der dort abgegebenen Stimmen. 

Pfleiderer steht seit Monaten mit den Rücken zur Wand und ist derzeit Deutschlands größter Sanierungsfall. Ein riskanter Expansionskurs des langjährigen Firmenchefs Hans Overdiek führte zu hohen Verlusten und drückenden Schulden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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