Klare Worte des Konzernchefs auf der Betriebsversammlung
Bei VW kracht es an allen Ecken

Es war die Stunde der Wahrheit bei Europas größtem Autobauer Volkswagen. Und es waren lauter Hiobsbotschaften, die Konzernchef Bernd Pischetsrieder der Belegschaft bei der Betriebsversammlung am Montag in Wolfsburg mitzuteilen hatte.

HB WOLFSBURG. Tausende Jobs bei VW sollen wegfallen. Angesichts eines Personalüberhangs von „mehreren tausend Mitarbeitern“ werde der Stellenabbau verstärkt. Deutliche Worte, eine konkrete Zahl nannte Pischetsrieder aber nicht. Angeblich geht es um mehr als 10 000 Stellen. Damit würden rund zehn Prozent aller westdeutschen Arbeitsplätze bei VW dem Rotstift zum Opfer fallen. Und auch für die, die bleiben, dürften die guten Zeiten vorbei sein. „Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen“, sagt der 34-jährige VW-Werker Ralf Maier. Aber das betreffe nicht nur VW, sondern die ganze Nation.

Dem Autobauer mit der großen Traditionsmarke geht es nicht gut. Verluste in den USA und China, Stagnation auf den europäischen Automärkten und hohe Rohstoffpreise kennzeichnen die Lage. VW baut teure Autos, kann sie aber nicht teuer verkaufen. Die Qualität lässt zudem erheblich zu wünschen übrig, wie der neue VW- Markenvorstand Wolfgang Bernhard selbst festgestellt hat. Und die Konkurrenz - vor allem aus dem Fernen Osten und auch aus China - schläft nicht.

Zwar erwartet Pischetsrieder in diesem Jahr ein besseres Ergebnis als im Vorjahr. Dabei baut er aber vor allem auf sein Milliarden schweres Sparprogramm: zehn Milliarden Euro in den nächsten drei bis vier Jahren, heißt es in der Branche. Die Arbeitskosten dürften dabei einen dicken Batzen ausmachen. Weitere Auseinandersetzungen über die Löhne zeichnen sich bereits ab. Auf der Betriebsversammlung sagte der VW-Boss: „Wir kommen nicht umhin, auch die Personalkosten zu reduzieren. Und zwar entweder durch niedrigere Kosten pro Mitarbeiter, durch weniger Mitarbeiter oder eine Kombination aus beidem.“

Mehr als 6000 Stellen will Pischetsrieder in den nächsten drei Jahren allein durch Altersteilzeit einsparen. Über 4000 Beschäftigte haben bereits einen solchen Vertrag. Jetzt kommt der Jahrgang 1951 dran. Ab 55 Jahren können Arbeitnehmer bei VW in Altersteilzeit gehen. Der Konzernchef will eventuell auch den Geburtsjahrgang 1952 einbeziehen. Das könnte aber schwierig werde, weil die Union angekündigt hat, dass sie bei einem Wahlsieg das Altersteilzeitgesetz ab 2006 kippen will.

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