Klarer Gewinner
EADS profitiert von geplatzter Safran-Fusion

Der Fusionsflop von Thales und Safran hat einen klaren Gewinner: EADS. Denn bei einem Zusammenschluss der beiden Rüstungs- und Aeronautik-Zulieferer wäre der deutsch-französische Konzern im Verteidigungsgeschäft in Europa in eine Randrolle gedrängt worden. EADS-Chef Louis Gallois hatte deshalb selbst Interesse am Verteidigungsgeschäft von Safran gezeigt.

ali PARIS. Safran wollte sich allerdings bisher von seinem Verteidigungsgeschäft trennen. EADS versucht seit seiner Gründung, durch den Ausbau des Verteidigungsgeschäfts seine Abhängigkeit von Tochter Airbus zu lockern. Die Analysten von Cheuvreux glauben, dass EADS nach wie vor das Projekt verfolge, mit einer Übernahme von Thales diesem Ziel näher zu kommen.

Das EADS-Management hatte 2005 den französischen Staat sowie die EADS-Aktionäre fast davon überzeugt, dass eine Thales-Übernahme Sinn machen würde. Doch EADS-Manager Noël Forgeard hatte in einer Art Husaren-Streich gleichzeitig versucht, sich als einzigen EADS-Chef zu etablieren und brachte damit Großaktionär Daimler gegen sich und damit die Fusionspläne auf.

So näherten sich stattdessen Thales und Safran an. Doch die angedachte Fusion liegt nun auf Eis, bestätigte Thales-Chef Denis Ranque gestern der französischen Tageszeitung „Les Echos“. Die Bedingungen für diesen Zusammenschluss „sind heute nicht erfüllt“, sagte Ranque. Er führte als Begründung den niedrigen Dollar-Kurs an, der die Bilanz von Safran belaste. Für Thales sei der Dollar dagegen kaum ein Problem, da der Konzern weniger als zehn Prozent seines Umsatzes in Dollar abrechne.

Wie es in Paris heißt, scheiterte das Projekt vor allem am Widerstand des staatlichen Großaktionärs, der sowohl bei Thales (27,2 Prozent) als auch bei Safran (30,4 Prozent) bestimmenden Einfluss hat. Auch Thales-Großaktionär Alcatel sei nicht begeistert von der Fusions-Idee gewesen, hätte dies doch Alcatels Einfluss auf das neue Ensemble entscheidend geschwächt.

Seit dem Versuch von EADS, sich Thales einzuverleiben, versucht Thales-Chef Denis Ranque durch Akquisitionen so groß zu werden, dass die Gefahr einer Übernahme vom Tisch ist. Zwar besitzt Thales mit dem französischen Staat, der zudem eine goldene Aktie hält, einen effektiven Schutz gegen feindliche Übernahme-Versuche. Doch sollte ein Angreifer wie EADS den staatlichen Großaktionär von Thales auf seine Seite ziehen, hätte Ranque sehr schlechte Karten.

Ranque kündigte nun an, die Zusammenarbeit mit der italienischen Finmeccanica ausbauen zu wollen. Beide arbeiten bereits beim Bau und Betrieb von Satelliten in zwei Joint-Ventures zusammen. Die Spekulation über eine Fusion zwischen Finmeccanica und Thales zählt bereits zu den Klassikern der Branche.

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