Klaus-Dieter Matschke
Der Spezialist für schwierige Ermittlungen

Vor drei Wochen erhielt Klaus-Dieter Matschke, Spezialist für schwierige Ermittlungen, einen Tipp eines Insiders beim Troisdorfer Billigstromanbieter Teldafax. Matschkes Interesse war geweckt: Nach seiner Einschätzung versuchte jemand, ein völlig überschuldetes Unternehmen zu einem hohen Preis an einen russischen Investor zu verkaufen.
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DÜSSELDORF. Klaus-Dieter Matschke ist Kummer gewohnt. Immer, wenn der Ermittler seine Arbeit ordentlich macht, tritt er jemandem auf die Füße. Das war vor 30 Jahren so, als Matschke Terroristen jagte, und es ist noch heute so, wenn Matschke mit seiner Sicherheitsfirma KDM in Frankfurt im Auftrag von Banken und Konzernen Wirtschaftskriminellen nachstellt. Und doch wünscht sich der 62-jährige Vizepräsident des Bundes Internationaler Detektive manchmal eine andere Wirklichkeit. Ausgerechnet seine besten Informanten, interne Quellen in Unternehmen, haben in Deutschland einen schweren Stand.

"In den USA werden die Whistleblower belohnt, hier werden sie angezeigt", sagt Matschke. Genau so einen Fall hat er heute bei Teldafax. Drei Wochen ist es her, da erhielt der Spezialist für schwierige Ermittlungen einen Tipp eines Insiders beim Troisdorfer Billigstromanbieter Teldafax. Matschke begann mit seinen Recherchen.

"Zunächst ging es um ein Abklopfen", sagt Matschke. Und schon die erste kursorische Internetsuche zeigte eine Reihe von Anknüpfungspunkten. Hunderte von unzufriedenen Kunden, Beschwerden über falsche Abrechnungen, fehlende Rückzahlungen.

Das Interesse Matschkes war geweckt. Als der Insider dann aber nachlegte, musste selbst der erfahrene Ermittler tief durchatmen. Ihm kamen Unterlagen auf den Tisch, die nach viel mehr schrien als einer Betrachtung durch einen Privatermittler. Matschke und sein KDM-Team sichteten, sortierten, werteten. Ihr Schluss nach zwei Wochen: Gefahr im Verzug. Nach Matschkes Einschätzung versuchte jemand, ein völlig überschuldetes Unternehmen zu einem hohen Preis an einen russischen Investor zu verkaufen. Er schickte seinen Spezialisten für Russland aus: Serge Velesko.

Velesko nahm Kontakt zu dem russischen Investor auf. Seine Mission: Er sollte den potenziellen Teldafax-Käufer vor einer riesigen Fehlinvestition warnen. Matschke verhehlt dabei nicht, dass man auch an eine Gebühr gedacht habe. Schließlich ging es um einen dreistelligen Millionenbetrag. Doch die Russen gingen auf keine Gesprächsangebote ein. Stattdessen landeten Informationen über die KDM-Recherchen bei Teldafax. "Die Rolle und die Motive der Russen sind mir unklar", sagt Matschke. "Für mich war die Sache klar: Ich musste die Unterlagen einer Behörde übergeben."

Das ist inzwischen geschehen. Nun muss sich Matschke mit etwas anderem beschäftigen. Teldafax behauptet, jemand verbreitet falsche Informationen. Das Unternehmen werde erpresst und wolle "Strafanzeige gegen Wirtschaftskriminelle" erstatten. "Ich vermute, die meinen mich, aber das sind ja Informationen aus dem Unternehmen selbst", sagt Matschke. "Erst habe ich gehört, man will mich bestechen, jetzt soll ich angezeigt werden. Naja."

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Klaus-Dieter Matschke: Der Spezialist für schwierige Ermittlungen"

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  • Gut gemachte Hetzkampagne.... Mal sehen, wann sich herausstellt, wer nun wirklich hinter dieser Presseschlacht steckt... Da es ja scheinbar einen russischen Kaufinteressenten gibt, der somit in den deutschen Energiemarkt einsteigen würde, wird wohl einer der großen Platzhirsche kalte Füsse bekommen haben. Und mal nebenbei, wieso schenkt überhaupt jemand einer Person wie Klaus-Dieter Matschke Glauben, wenn dieser behauptet, seine Firma hätte dem russischen Unternehmen Geld angeboten um von einem Kauf abzusehen. Es wird sich wohl kaum um Peanuts gehandelt haben. Sollte eine Sicherheitsfirma das finanzieren können??? Alles in allem SEHR unglaubwürdig. in meinen Augen ist dieser Klaus-Dieter Matschke einfach nur der Strohmann. Die Fäden ziehen sicherlich ganz andere Personen. ich habe bisher vom Handelsblatt bisher viel gehalten, jedoch lassen mich Artikel, wie die der letzten Tage an der Seriösität dieser Zeitschrift ernsthaft zweifeln.

  • Der bericht über Herrn Matschke als Mann der für ehemalige Staatsbetriebe, (u.a. Eon, RWE zb.?)tätig war oder ist, räumt viele Fragen auf? Wieso informiert Fa. Matschke die Russen, ach ja er wollte da ja auch 3 Millionen kassieren? Sein Auftraggeber ist doch vermutlich in Konkurenzbetrieben zu suchen? Da flossen bestimmt schon einige Million (Doppelagent?). Die Zeche zahlt natürlich wieder der Normale bürger. 1. Die jetzigen Pensionäre der ehemaligen Staatsbetriebe sowieso schon). 2. Die bürger die Jahresabschläge bei Teldafax im vorraus bezahlt haben. Da durch die undurchsichtigen Hindergründe und bemerkungen des Herrn Matschke, der Teldafax Konzern ganz schön ins Schlittern kommen kann. ist das wohl Absicht???
    Raischuh.

  • ich halte das Ganze für genauso unglaubwürdig. Herr Matschke sollte sich überlegen, was er mit diesen Aussagen bewirkt, außer den berufsstand der Dedektive in die Unglaubwürdigkeit zu treiben.

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