Klaus Kleinfeld zurückhaltend
Kein Pardon für schwarze Kassen

Für den scheidenden Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wäre eine Veranstaltung wie der Städte-Klima-Gipfel in New York im Normalfall eine willkommene Bühne, um sein Unternehmen anzupreisen. Doch nach dem Korruptionsskandal scheint es besser, wenn sich die einstige Galionsfigur auf das Wesentliche beschränkt.

NEW YORK. Ein Heimspiel ist es nicht mehr für den USA-Fan Klaus Kleinfeld. Das sieht man schon daran, dass der Noch-Siemens-Chef beim Städte-Klima-Gipfel in New York die Öffentlichkeit scheut. Normalerweise würde er eine solche Bühne nutzen, um für seinen Konzern die Werbetrommel zu rühren – Kleinfeld hat für Siemens lange sehr erfolgreich das US-Geschäft geführt. Sein Name und Siemens werden hier noch in einem Atemzug genannt. Diesmal plaudert der Manager aber hinter verschlossenen Türen mit den Bürgermeistern von Addis Abeba, Istanbul und Mumbai über den Klimawandel.

Das Marketing hat derweil der US-Statthalter des Konzerns, George Nolen, übernommen. „Weil unsere Kunden anerkennen, dass wir jetzt alles tun, um die gesetzlichen Regeln zu befolgen, spüren wir bislang wir nichts von dem Korruptionsskandal. Die Aufträge kommen rein wie bisher auch“, sagt der 50-Jährige, der seit drei Jahren die Geschäfte in Amerika führt.

Knapp 400 Kilometer von New York entfernt, in Washington, beschäftigen sich Beamte der Börsenaufsicht SEC und des US-Justizministeriums mit der dunklen Seite der Siemens-Geschäfte. Statt von grüner Hochtechnologie ist hier von schwarzen Kassen und Bestechung die Rede. Dass die US-Wächter überhaupt tätig werden, liegt auch daran, dass Siemens 2001 Aktien an der New Yorker Börse notieren ließ. Damit fällt der Konzern automatisch unter das US-Wertpapierrecht und muss sicherstellen, dass seine Bücher gemäß den dortigen Bilanzierungsregeln geführt werden. Wenn jedoch wie bei Siemens Schmiergeldzahlungen als Beraterhonorare deklariert wurden, gehen sie davon aus, dass auch die Bilanzen nicht stimmen.

Risiken drohen dem Münchner Konzern aber nicht nur wegen falscher Einträge in die Bücher. Die SEC und das Justizministerium ermitteln auch wegen möglicher Verstöße gegen den so genanten Foreign Corrupt Practices Act (FCPA). Das Antikorruptionsgesetz wurde 1977 vom US-Kongress verabschiedet, nachdem bekannt geworden war, dass amerikanische Unternehmen im Ausland systematisch mit Schmiergeldzahlungen um Aufträge gebuhlt hatten.

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