Kleine Unternehmen leiden
Energiebranche verliert Kraft durch Dauerstreit

Ein Riss geht durch die Energiebranche: Die Kleinen fühlen sich von den vier Großen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW in die Ecke gedrängt. Den Unternehmen fällt es schwer, gegenüber der Politik mit einer Stimme zu sprechen.
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BERLIN. Die Kräfteverhältnisse in der deutschen Energiebranche sind eindeutig: Da gibt es mit Eon, RWE, Vattenfall und EnBW vier Platzhirsche, die für mindestens 60 Prozent der Stromproduktion stehen. Es folgt - mit deutlichem Abstand - eine kleine Schar ambitionierter Anbieter mit Strahlkraft über die eigenen Stadtgrenzen hinaus, dahinter kommen kleine und kleinste Einheiten. Spätestens seit der Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke knirscht es kräftig im Gebälk zwischen den vier Großen und dem Rest.

Größere regionale Anbieter und Stadtwerke hatten gemeinsam versucht, die Verlängerung zu verhindern. Sie argumentieren, wenn die Reaktoren länger am Netz blieben, würden die Erzeugungsstrukturen zementiert, die großen Vier könnten ihre Marktmacht auf Dauer behaupten - zu Lasten des Wettbewerbs.

Branchenverband BDEW ratlos

Der Branchenverband BDEW, gedacht als großes Dach für Energieunternehmen aller Größenklassen, hatte seine Mühe, eine mehrheitstaugliche Haltung zur Laufzeitverlängerung zu finden. Am Ende stand ein Kompromiss, der aus Sicht der Kleinen an die Grenze des Erträglichen ging. Von einem Kniefall vor den Großen war hinter vorgehaltener Hand die Rede.

Nun provozieren die Großen die Kleinen erneut. In einem dem Handelsblatt vorliegenden Gutachten stellen das vom RWE-Konzern beauftragte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Unternehmensberatung WIK-Consult die Existenzberechtigung kleiner und insbesondere kommunaler Unternehmen in Frage. "Die optimale Unternehmenslandschaft sollte auf allen Wertschöpfungsstufen (Erzeugung, Transport/Verteilung, Vertrieb) vorwiegend aus großen und privatwirtschaftlich betriebenen Unternehmen bestehen", heißt es in dem Gutachten. Strukturelle Defizite zeigten sich in Deutschland besonders in den Bereichen Verteilung und Vertrieb. In diesen Bereichen gebe es "wesentlich mehr und vor allem auch wesentlich kleinere Unternehmen" als in anderen Ländern.

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  • Dezentrale Versorgung ist im Terrorzeitalter der Status Quo, weil kaum angreifbar. bei den Großen muss man nur je einen Mast sprengen vor den Kraftwerken und das wars dann...

  • Langsam wirds doch wirklich lächerlich, es kann doch nicht sein daß vier große Unternehmen bestimmen wie der Markt aussehen soll!

    ist den Autoren von der Studie (wessen brot ich ess, dessen Lied ich sing) schon mal gesagt worden daß ein Oligopol (wobei daß was die 4 großen darstellen ja praktisch Gebietsmonopole sind) Gift für einen funktionierenden Wettbewerb und damit für den Verbraucher sind?

    Und daß auch noch bei einem Wirtschaftsgut, daß man nicht einfach mal so gegen ein anderes austauschen kann und damit eine Abhängigkeit besteht?

    Und was heißt hier eigentlich daß die großen vier private Unternehmen sind? Die Gewinne werden privatisiert und die Abfälle beim Atomstrom (Verursacherprinzip sollte hier eigentlich gelten) darf der Steuerzahler entsorgen, ebenso daß der Steuerzahler die Haftung für Störfälle übernimmt.

    Die vier Großen sind doch keine funktionierenden Privatunternehmen, das ist einfach Volksverarsche.

    ich hoffe daß die kleinen Stadtwerke nicht aufgeben und sich durchkämpfen, ich wechsel auf jeden Fall sobald ich die Möglichkeit habe zu einem Stadtwerk als Stromanbieter, vielleicht zahle ich da mehr aber das ist mir meine Freiheit wert!!!

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