Kleinere Jets
Bombardier macht Airbus und Boeing Konkurrenz

Der Flugzeughersteller Bombardier plant den Einstieg in das Segment der Mittelstreckenjets. Die Kanadier erwägen, neu entwickelte Jets mit 110 und 130 Sitzen auf den Markt zu bringen und damit die Produktpalette nach oben zu erweitern. Der Markt ist groß und lockt viele Hersteller – doch Bombardier ist spät dran.

BELFAST/MÜNCHEN. Michael McAdoo, Strategiechef von Bombardier Aerospace, sagte auf einem Presseseminar am europäischen Produktionsstandort Belfast voraus, dass in den kommenden zwanzig Jahren weltweit 11 200 Flugzeuge mit 20 bis 149 Sitzen ausgeliefert werden. Das entspricht einem Marktvolumen von fast 400 Mrd. Dollar. Dabei werde sich der Schwerpunkt auf Flugzeuge mit mehr als 60 Sitzen verlagern, die effizienter zu betreiben seien. Die stärkste Nachfrage sieht er für Flugzeuge mit 100 bis 149 Sitzen.

Für diese Kategorie bereitet der kanadische Hersteller schon seit längerem eine neue Jet-Familie namens C-Serie vor, die dank des verstärkten Einsatzes von Verbundwerkstoffen und moderner Triebwerke 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen soll als aktuelle Modelle. „Wir brauchen in diesem Jahr feste Zusagen von Kunden, um das Programm zu starten“, sagte Projektchef Gary Scott. Die ersten Maschinen könnten 2013 in Dienst genommen werden. Das Interesse der Fluggesellschaften sei enorm. Das C-Programm würde Bombardier mehr als zwei Mrd. Dollar kosten und das Unternehmen in die bisher direkteste Konkurrenz zu den beiden großen Flugzeugherstellern Airbus und Boeing bringen. Bisher ist das größte Modell der Kanadier ein 90-Sitzer; 2009 liefern sie die ersten 100-Sitzer des neuen Typs CRJ 1000 aus.

„Dieses Segment hat hohe Wachstumsraten, ist aber ganz eng besetzt“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt. Airbus und Boeing haben eine große Marktmacht aufgebaut. Airbus bietet die A318 und die A319, Boeing die 737-800. „Airbus und Boeing werden ihre Marktmacht einsetzen, um ihre Positionen bei den Airlines zu halten“, sagt Grossbongardt. Um eine gegenüber Airbus und Boeing wettbewerbsfähig Produktion am Laufen zu halten, müsse Bombardier auf mindestens 150 bis 180 Flugzeuge im Jahr kommen.

Viele Anbieter wollen in das Geschäft, Bombardier ist spät dran. Die brasilianische Embraer hat den Kanadiern in den vergangenen Jahren kräftig Marktanteile bei Regionaljets abgenommen und schickt jetzt mit der Embraer 195 einen 120-Sitzer in den Markt. In Russland startet der 100-Sitzer Super 100 von Sukhoi noch in diesem Jahr, China plant ebenfalls einen Jet in ähnlicher Größe. Die neuen Konkurrenten arbeiten im Gegensatz zu Bombardier mit günstigeren Entwicklungs- und Fertigungskosten. Zudem können sie sich auf einen großen und wachsenden Heimatmarkt stützen. Die meisten Jets werden in Zukunft in Schwellenländern verkauft.

Bombardier ist mit einem Jahresumsatz von knapp 15 Mrd. Dollar einer der größten kanadischen Konzerne. Die Hauptsparten sind Schienenfahrzeuge und Flugzeuge, wobei Bombardier Aerospace zuletzt mit 27 000 Beschäftigten 8,2 Mrd. Dollar Umsatz erzielte. Damit sind die Kanadier hinter Boeing und Airbus der drittgrößte Flugzeughersteller der Welt, Embraer holt allerdings stark auf. Zu Bombardier gehören Hersteller wie Canadair, Shorts in Belfast und Learjet.

In den vergangenen Jahren hat die Aerospace-Sparte rund 8 000 Stellen gestrichen und mehr Arbeit zu Zulieferern verlagert, unter anderem nach China. Auch ein eigenes Werk in Mexiko ergänzt die Produktion in den Hochlohnländern Kanada, USA und Großbritannien. „Diesen Weg werden wir weitergehen“, kündigte Chief Operating Officer Pierre Beaudoin an.

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