Kleinfeld baut um
Siemens: Rendite schlägt Tradition

Das Kommunikationsgeschäft, das Siemens nun in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia einbringt, ist die Wurzel des größten deutschen Technologiekonzerns. Mit Traditionen hat es Siemens-Chef Klaus Kleinfeld aber nicht. Er hat die Rendite im Blick. Großprojekte sind sein Steckenpferd. So will er zum schärfsten Konkurrenten aufschließen.

MÜNCHEN. 1847 hat Werner von Siemens die Grundlage für die Firma mit der Entwicklung eines Zeigertelegrafen gelegt. Bis zum Montag, fast 160 Jahre später, war die Kommunikation der mit Abstand größte Bereich. Dass sich das jetzt ändert, ist das Werk eines Mannes: Klaus Kleinfeld. Denn schiere Größe zählt für den Vorstandschef von Siemens ebenso wenig wie Tradition. Der Konzernlenker – seit Januar vorigen Jahres an der Spitze von Siemens – hat ein großes Ziel vor Augen: Bis spätestens im Frühjahr 2007 sollen alle Bereiche so viel verdienen wie die besten Wettbewerber in den jeweiligen Branchen. „Dafür stehe ich persönlich ein“, hat der smarte Manager schon kurz nach seinem Amtsantritt versprochen und damit klar gemacht, dass er mit aller Macht dafür kämpfen wird. Kleinfeld verkettet sogar seine gesamte Glaubwürdigkeit mit diesem Ziel.

Mit dem Kommunikationsgeschäft war das nicht zu schaffen. Legionen von Managern haben sich an der Sparte in den vergangenen Jahren die Zähne ausgebissen. Umstrukturierungen, Verkäufe und ein riesiger Stellenabbau halfen nichts: Stets verfehlte die Sparte das Renditeziel. In nackten Zahlen: Die Zielmarge für das Geschäft liegt bei acht bis elf Prozent. Im abgelaufenen Quartal erreichte die Sparte aber lediglich 0,8 Prozent. Eine schnelle Verbesserung war nicht absehbar, deshalb trennt sich Kleinfeld jetzt vom Ursprung des eigenen Konzerns.

Künftig will Siemens sein Geld im Wesentlichen mit komplexen Großvorhaben verdienen, die nur wenige Anbieter bewältigen können. Dabei setzt Siemens allerdings nur auf ausgewählte Geschäftsfelder. Die Zukunft entscheide sich an globalen Trends, hat Kleinfeld als Marschroute ausgegeben: Bevölkerungswachstum, zunehmende Überalterung und fortschreitende Urbanisierung sind die Themen, für die Siemens Lösungen anbieten will.

Siemens steht mit seinem Fokus auf weltweite Trends allerdings nicht alleine da. „Wir konzentrieren uns auf Geschäfte, in denen wir langfristig große Chancen sehen“, sagte Jeffrey Immelt, Chef von General Electric (GE) jüngst im Handelsblatt-Interview. Vor allem im Gesundheitssektor, in der Lichttechnik und in der Energieerzeugung sind der US-Konzern und Siemens deshalb erbitterte Konkurrenten.

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