Kleinfeld baut weiteren Enthüllungen vor
Siemens kommt nicht zur Ruhe

Der von Affären erschütterte Siemens-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Die IG Metall hat am Montag wegen möglicher illegaler Begünstigung der Arbeitnehmerorganisation „Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger“ (AUB) bei Betriebsratswahlen Strafantrag erstattet. Der Gesamtbetriebsrat von Siemens schloss sich am Nachmittag dem Vorstoß der IG Metall an.

MÜNCHEN. „Wir haben den Verdacht und Indizien dafür, dass die AUB durch das Unternehmen Siemens finanziert wurde, um eine Art Gegen-Gewerkschaft zur IG Metall aufzubauen“, sagte Gewerkschaftschef Jürgen Peters in Frankfurt.

Die Affäre erschüttert die Siemens-Führung, die sich seit Wochen mit den Folgen der Schmiergeld-Affäre im Telefonbereich Com auseinander setzt. Zuletzt war einer der einflussreichsten Konzernmanager, Johannes Feldmayer, verhaftet worden war. Die Nürnberger Staatsanwälte werfen ihm vor, im Jahr 2001 einen Beratervertrag mit dem langjährigen AUB-Chef Wilhelm Schelsky unterschrieben zu haben. Schelsky soll mindestens 15,5 Mill. Euro ohne nennenswerte Gegenleistungen erhalten haben.

„Ich wusste bis zur Duchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft nicht, dass der Vertrag mit Herrn Schelsky existiert“ sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auf die Frage, warum der Konzern nicht schon eher auf die AUB-Vorfälle reagiert habe. Am 15. Februar hatte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zahlreiche Siemens-Büros durchsucht und den damaligen AUB-Chef Schelsky verhaftet. Er ist inzwischen zurückgetreten, die AUB kämpft um den Erhalt ihrer Organisation.

Offenbar hatte Siemens-Vorstand Feldmayer den Vertrag mit Schelsky im Dezember 2006 gekündigt, Kleinfeld jedoch nicht darüber informiert. Offen bleibt, ob Feldmayer Kleinfeld nicht hätte informieren müssen. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen fünf Beschuldigte, darunter auch den ehemaligen Siemens-Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann. Welche Folgen die Klage der IG Metall für Siemens haben wird, ist noch offen. Vor allem der langjährige Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer könnte nun aber noch stärker unter Druck geraten. Von Pierer hat zwar schriftlich beteuert, von den Berater-Verträgen mit Schelsky nichts gewusst zu haben. In der IG Metall aber gilt es als offenes Geheimnis, dass Pierer von der Rolle der AUB Kenntnis hatte.

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