Kleinlaute Angreifer
Indiens Tiger werden handzahm

Von gefeierten Welteroberern zu kühlen Controller und Schadensbegrenzer: Die globale Kreditkrise sowie Probleme im Heimatmarkt zwingen Konglomerate wie Tata, Birla und Reliance zu scharfen Kostensenkungen. Ambitionierte Großprojekte werden auf die lange Bank geschoben, Fabriken still gelegt, Joint Ventures vertagt. Besonders betroffen sind Konzerne, die im Expansionsrausch Mega-Übernahmen gewagt haben - allen voran die Tata-Gruppe.

NEU-DELHI. Chairman der Tata-Gruppe, Ratan Tata, funkte gerade als erster Tycoon SOS: "Einige Gruppenfirmen ringen mit erheblichen Problemen beim Zugang zu Kapital", schrieb er in einer harten Botschaft an Top-Manager. Tata fordert einen strengen Sparkurs, verfügt ein Ende von Zukäufen und warnt: "Wer diese Krise falsch managt, riskiert den dauerhaften Verlust von Marktpositionen." Zu kämpfen haben vor allem die Auto- und die Stahlsparte. Beide hatten 2007 dank billiger Kredite kräftig zugekauft: Tata Motors gab 2,3 Mrd. Dollar für Landrover und Jaguar aus, Tata Steel kaufte den Stahlriesen Corus für zwölf Mrd. Dollar.

Solche Deals haben die Inder zum Paradebeispiel für neue Herausforderer aus Schwellenländern gemacht, die sich blitzschnell zu globalen Playern aufschwingen. "Wachstumseuphorie und billiges Geld haben Tata wie andere zum Einstieg auf dem Scheitel des Bewertungs-Zyklus? verleitet", sagt ein Bankanalyst in Bombay. "Jetzt müssen indische Firmen zeigen, dass ihre Zukäufe mehr sind als teure Trophäen." Tata werde dies bei Jaguar und Landrover schwerer fallen als bei Corus. Auch Investoren sind skeptisch: Eine Kapitalerhöhung Tata Motors über 850 Mio. Dollar zur Teilfinanzierung des Zukaufs floppte gerade am Markt. Die Holding musste mit 600 Mio. Dollar beispringen.

Andere erfolgsverwöhnte Aufsteiger trifft es ebenso: Der Windradbauer Suzlon musste wegen turbulenter Börsen eine Kapitalerhöhung von 370 Mio. Dollar annullieren. Das stellt den Zeitplan für die im Dezember geplante Anteilserhöhung an der deutschen Tochter Repower in Frage. Suzlon hatte im Vorjahr für 1,3 Mrd. Euro die Mehrheit an dem Hamburger Windturbinenhersteller übernommen. Vertragsgemäß müssen die Inder nun den spanischen Minderheitsgesellschafter Martifer für 270 Mio. Euro auskaufen. Die Begleichung der Summe sei gesichert, betont Suzlon. Doch beide Seiten diskutierten über einen akzeptablen Zahlungstermin.

Selbst solide Blue-Chips ächzen unter Finanzierungssorgen: Hindalco, Flagschiff der AV Birla-Gruppe, bekam Ende Oktober nur 17 Prozent einer Kapitalerhöhung von eine Mrd. Dollar gezeichnet. Damit wollte Indiens größter Aluminiumhersteller Teile eines Zwischenkredits refinanzieren, der 2007 den Kauf des kanadischen Rivalen Novelis für sechs Mrd. Dollar ermöglicht hatte. Jetzt muss Hindalco eine Mrd. Dollar bei Banken leihen - zu schlechten Konditionen. Zudem warnt Gruppen-Chef Kumar Mangalam Birla, Novelis werde die Gewinnschwelle später als geplant erreichen: in vier statt drei Jahren. Die Tochter sollte den Indern Zugang geben zu neuen Großkunden wie Pepsi und General Motors. Doch nun bricht der US-Konsum hart ein.

Der Vorstoß auf westliche Märkte wirft auch Fragen an Tatas aggressiver Internationalisierungs-Strategie auf. Sie sollte Indiens größtes Konglomerat von Schwankungen auf dem Heimatmarkt unabhängiger machen. Nun setzt sich Tata einem globalen Abschwung stärker aus. Zugleich zeigt der Heimatmarkt Schwächen: Im Oktober brach Indiens Lastwagen-Absatz wegen einer lahmenden Konjunktur um die Hälfte ein. Marktführer Tata musste die Produktion bereits tagelang einstellen.

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