Kleinunternehmen als Förderer
Neues Geschäft mit alten Ölfeldern

Obwohl der Ölpreis seit Jahren steigt, liegen in den USA, beim größten Ölverbraucher der Welt, mehrere Hunderttausend Ölfelder brach. Große Konzerne wie Exxon und Chevron haben die alternden Quellen als zu unwirtschaftlich eingestuft. Nun machen sich kleinere, oft ausländische Unternehmen daran, aus den Hinterlassenschaften der Multis Profit zu schlagen.

DÜSSELDORF. Die Einheimischen empfangen die Neuankömmlinge mit offenen Armen. „Das Arbeiten mit den Amerikanern ist sehr angenehm“, sagt Holger Friedrich, Vorstandschef der United Energy Group. Der Deutsche, der sein Unternehmen im April 2006 gegründet und im Juni 2007 an die Börse gebracht hat, konzentriert sich auf Texas und Oklahoma. Die US-Bundesstaaten waren einst Grundpfeiler der Weltölwirtschaft, haben jedoch schwere Zeiten hinter sich.

Mehr als 100 000 US-Ölarbeiter verloren in den 80er- und 90er-Jahren ihre Jobs, als der Ölpreis in für die Förderer katastrophale Tiefen fiel. „Manche Felder, die wir gekauft haben, sehen aus, als ob sie damals über Nacht verlassen wurden“, sagt Friedrich. „Da liegt teilweise sogar das Werkzeug noch herum.“

Bei einem Ölpreis von sieben Dollar pro Fass war für die Konzerne wirtschaftliches Arbeiten nicht mehr möglich. Was nicht verkauft werden konnte, wurde stillgelegt.

Zurück blieben detaillierte Daten – für jedermann zugänglich. „In dieser Beziehung sind uns die USA um einiges voraus“, sagt Hans Georg Babies von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. „In Deutschland gehören die Daten über Ölvorkommen und gefördertes Öl den jeweiligen Unternehmen. In den USA liegen sie bei den Behörden.“

Und die geben sie gern weiter, „Die Grundeinstellung zum Öl ist hier positiv“, sagt Friedrich. Wenn seine Firma sich nach Bohrlizenzen erkundigt, ist die Begrüßung meist ausgesprochen freundlich. Fast jeder, so scheint es, hat Interesse an neuen Investoren, die aus den alten Löchern neues Öl holen. Steuereinnahmen und Lizenzabgaben an die Grundbesitzer sind überzeugende Argumente.

Denn auf eine Rückkehr der Großkonzerne können die Amerikaner trotz eines Ölpreises von derzeit mehr als 80 Dollar pro Fass nicht zählen. „Die Multis müssen bei ihrer Rechnung ihren gesamten Kostenapparat auf die einzelnen Löcher umlegen“, erklärt Donald Hertzmark, Ölexperte von der University of Georgetown. Dies rechne sich bei alten Ölfeldern nicht, weil die zu erwartende Restfördermenge zu gering sei.

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