Klima
Baustoffindustrie profitiert von Energiewende

Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von bis zu acht Prozent. Vor allem energetische Sanierungen im Gebäudebereich sind gefragt. Aber auch Windräder auf hoher See brauchen massive Betonfundamente.
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BerlinDer Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden (BBS) betrachtet die Energiewende als Umsatztreiber. Das geht aus einem internen Papier des Verbandes hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Demnach entsteht bei einer konsequenten Umsetzung der Energiewende für die Baustoffindustrie ein jährlicher Nachfrageimpuls von bis zu acht Prozent. Davon sind bis zu sieben Prozent auf energetische Sanierungen im Gebäudebereich zurück zu führen, ein Prozent entfällt auf zusätzliche Investitionen im Zusammenhang mit dem Umbau der Energieversorgung. 

Mit den „zusätzlichen Investitionen“ bezieht der BBS sich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, der Netze und auf den Bau fossiler Kraftwerke. Besonders interessant ist für die Baustoffindustrie die Errichtung von Offshore-Windparks, die die Bundesregierung vehement voran treibt. Die Windräder auf hoher See brauchen massive Betonfundamente. Die Baustoffindustrie geht davon aus, dass von den Investitionen in Windkraftanlagen 15 bis 25 Prozent auf Bauleistungen entfallen. Aber selbst bei Photovoltaikanlagen entfallen nach den Berechnungen des Verbandes noch zwei Prozent der Investitionen auf Baumaßnahmen. Für 2015 rechnet die Baustoffindustrie allein aufgrund des Umbaus der Energieversorgung mit Nachfrageimpulsen von 194 Millionen Euro. Diese Zahl stellt allerdings nur das „untere Szenario“ dar. Im besten Fall („oberes Szenario“) könnte der Wert auch annähernd 300 Millionen Euro erreichen. 

Im Bereich der energetischen Gebäudesanierung rechnet die Baustoffindustrie mit einem jährlichen Nachfrageimpuls zwischen 1,42 Milliarden und 1,98 Milliarden Euro. Die Bundesregierung will erreichen, dass der Gebäudebestand bis 2050 nahezu klimaneutral ist. Energetische Gebäudesanierungen wird sie daher auch in den kommenden Jahren mit KfW-Darlehen und möglicherweise auch mit einer erhöhten Abschreibung anreizen. 

Allerdings ist die Baustoffindustrie nicht nur Profiteur der Energiewende. Die Unternehmen der Branche leiden auch unter steigenden Strompreisen. Im BBS-Papier ist daher von „erheblichen Kostenrisiken“ die Rede. Die Politik müsse sicherstellen, dass die Baustoffproduktion vor einer Stromkostenexplosion bewahrt werde.

Der BBS ist der Dachverband der deutschen Baustoff-, Steine- und Erden-Industrie mit 19 Einzelbranchen und rund 4000 Unternehmen. Die deutsche Baustoffindustrie erwirtschaftet mit 130.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro und gewinnt 600 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe pro Jahr.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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