Kobe Steel
Razzia bei Japans Stahlriesen

Bei Kobe Steel wurden Inspektionsdaten etwa zur Materialstärke gefälscht. Das genaue Ausmaß der Probleme liegt jedoch im Verborgenen – noch. Die Räume des japanischen Stahlriesen wurden nun durchsucht.
  • 0

TokioWegen eines Skandals um gefälschte Inspektionsdaten ist der japanische Stahlriese Kobe Steel Ziel einer Razzia geworden. Wie japanische Medien am Freitag berichteten, durchsuchten Vertreter einer Kommission für die Einhaltung der Japanischen Industriestandards (JIS) Büroräume von Kobe Steel. Die Nummer drei der Branche hatte eingeräumt, dass Mitarbeiter bei Aluminium-, Kupfer- und Eisenpulverprodukten zur Verwendung in Autos, Zügen, Flugzeugen sowie militärischer Ausrüstung Inspektionsdaten etwa zur Materialstärke gefälscht hatten.

Auch der zweitgrößte japanische Autobauer Nissan hatte zugegeben, dass Inspektionen in Fabriken im Inland von unqualifiziertem Personal vorgenommen worden seien. Bis auf weiteres werde die Fertigung fürs Inland in allen sechs Fabriken ausgesetzt.

Der japanische Transportminister Keiichi Ishii nannte die Vorfälle bei Kobe Steel und Nissan am Freitag „extrem bedauerlich“. Die Skandale erschütterten das Vertrauen in die japanische Produktion, die gerade wegen ihrer hohen Qualität und Sicherheit geschätzt werde. Nach Einschätzung von Industrieminister Hiroshige Seko beträfen die Skandale bei den beiden Konzernen jedoch nicht Japans ganze Industrie. Er sei enttäuscht über diese „ungewöhnlichen Fälle“. Es sei wichtig, dass Kobe Steel und Nissan sicherstellten, dass sowas nicht wieder vorkomme, sagte der Minister laut Medien am Freitag.

Der Skandal schlägt sich nun auch in den Auftragsbüchern nieder. Einige Kunden wanderten zur Konkurrenz ab, räumte Vize-Chef Naoto Umehara am Freitag ein. Details nannte er nicht. Der Konzern teilte zudem mit, dass er bei seinen Produkten auch gegen Industrienormen verstoßen habe. Bislang hatte er erklärt, Produktdaten gefälscht, Normen und Sicherheitsstandards aber eingehalten zu haben. Zu den Verstößen gegen die Normen sei es in einem Kupferwerk südwestlich von Tokio gekommen. Welcher Art diese waren, blieb offen. Ein neuer Fall von Produktdatenfälschung wurde zudem bei einem Weiterverarbeitungswerk von Blechen bekannt.

Das genaue Ausmaß der Probleme bei Kobe Steel ist nicht bekannt, da das Unternehmen die betroffenen Kunden nicht namentlich nennt. Die internen Untersuchungen bei dem Konzern laufen unterdessen weiter. Führende Autokonzerne und andere Unternehmen haben erklärt, betroffene Produkte von Kobe Steel verwendet zu haben, doch gebe es bislang keinen Anlass zur Sorge über die Sicherheit der Produkte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kobe Steel: Razzia bei Japans Stahlriesen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%