Koc
Familie mit Visionen

Als Vehbi Koc (sprich: Kodsch) 1917 als 16-Jähriger seinen Vater dazu überredete, in dem damaligen Provinznest Ankara einen Krämerladen aufzumachen, ahnte er sicher nicht, dass daraus einmal das größte Unternehmen der Türkei werden würde – zumal das Geschäft eher schleppend anlief.

ghö ISTANBUL. Nur sechs Jahre später brachte der Aufstieg des verschlafenen Städtchens Ankara zur Hauptstadt der neuen türkischen Republik einen Boom. Als Vehbi Koc 1984 die Geschäftsführung des Familienkonzerns seinem Sohn Rahmi übergab, war das Unternehmen zu einem Wirtschaftsimperium herangewachsen. Rahmi Koc baute es weiter aus und machte Koc zum Marktführer in zahlreichen Branchen.

Seit 2003 amtiert in dritter Generation sein Sohn Mustafa als Chairman. Der 43-Jährige, der die hellblauen Augen vom Vater geerbt hat, arbeitete sich nach einem Volkswirtschafts- und Managementstudium, das er an der George Washington University in der US-Hauptstadt Washington, D.C. abschloss, in der Familienholding nach oben. Unter seiner Aufsicht koppelt sich der Familienkonzern weiter von der volatilen Binnenkonjunktur der Türkei ab und expandiert ins Ausland.

Früher als andere türkische Unternehmerfamilien haben sich die Kocs im operativen Geschäft zurückgenommen und Manager von außen geholt. Im 15-köpfigen Board der Holding sitzen heute so renommierte Persönlichkeiten wie der frühere Nestlé-Chef Helmut Maucher, John McArthur von der Harvard-Universität und der Siemens-Manager Dieter Christoph Urban

.

„Zu wissen, wann man aufhören muss, ist eine Tugend“, sagte Rahmi Koc bei der Übergabe der Amtsgeschäfte des Chairmans an Mustafa. Sein mit wertvollen Schiffsmodellen und englischen Stilmöbeln ausgestattetes Büro in der Unternehmenszentrale hat er auch als Ehrenvorsitzender der Holding behalten – es liegt gleich neben dem seines Sohnes.

Häufig ist Rahmi Koc aber nicht mehr hier. Wenn der passionierte Segler, der für seine 76 Jahre erstaunlich fit ist, nicht gerade um die Welt schippert, trifft man ihn wahrscheinlich im Rahmi-Koc-Technikmuseum am Ufer des Goldenen Horns an. Die hier in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragene Sammlung historischer Automobile, Lokomotiven, Flugzeuge und Schiffe hat inzwischen internationalen Ruf.

Wenn Rahmi Koc in der Unternehmenszentrale auftaucht, widmet er sich meist seinen Aufgaben als Philanthrop: Er fördert archäologische Ausgrabungen und vergibt Stipendien. Mit einem Privatvermögen von rund zwei Milliarden Dollar kann er das. Und selbst wenn er sich in die Unternehmensgeschäfte einmischen sollte: Gegen einen guten Rat hätte sein Sohn Mustafa sicher nichts einzuwenden. Er weiß: Man muss zuhören können. Welchen Rat er einem aufstrebenden Unternehmer geben würde, wurde Mustafa Koc kürzlich gefragt. Seine Antwort: „Stelle Leute ein, die besser sind als du, und lerne von ihnen.“

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