Kölner Schokoladenhersteller kann die Renditevorgaben nicht erfüllen
Schweizer Mutter droht Stollwerck mit Werksschließung

Bei der heutigen Hauptversammlung des traditionsreichen Schokoladenherstellers Stollwerck präsentiert sich das Kölner Unternehmen seinen Aktionären in schlechter Verfassung. Starker Preisdruck und die nachlassende Lust der Deutschen auf Allerwelts-Schokolade drücken auf die Margen.

ZÜRICH. Die Schweizer Muttergesellschaft Barry Callebaut macht nun Druck auf die deutsche Tochter: Finanzchef Enkelmann will jetzt nach eigenen Worten dafür sorgen, dass die Produktionsplanung bei den Deutschen der schlechten Lage angepasst wird. Ob dies das Ende für einen oder mehrere deutsche Standorte bedeute, lässt er bisher offen.

„Im April und Mai haben sich die Absatzprobleme in Deutschland akzentuiert, nachdem bereits das Ostergeschäft durchzogen war“, schilderte Barry Callebaut-Finanzchef Dieter Enkelmann bei der Vorlage der Neun-Monatszahlen des Schweizer Kakaoverarbeiters in der vergangenen Woche die schlechte Lage. Barry Callebaut hatte den Deutschen nach der Übernahme im Jahr 2002 klar vorgegeben, welche Margen sie abzuliefern hätten. Innerhalb einer Dreijahresperiode sollten mit Stollwercks Schokoladentafeln Margen von sieben bis acht Prozent zu erzielen sein. Der deutsche Schokoladenhersteller hat dieses Ziel bislang nicht erreicht. In den fünf deutschen Werken Köln, Berlin, Saalfeld, Wurzen und Norderstedt erwirtschafteten die rund 2 500 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 700 Mill Euro im Jahr 2002 einen Fehlbetrag von 19,1 Mill. Euro.

Stollwerck-Chef Richard Crux leitete daraufhin ein Sanierungsprogramm mit dem Ziel ein, sich auf ertragreiche Marken wie etwa Sarotti zu konzentrieren. Neue Rezepturen wie etwa Zartbitter-Schokolade mit fruchtig-cremigen Kombinationen sollten Sarotti nach vorne bringen.

Für das ehrgeizige Programm hat die Schweizer Muttergesellschaft mehr als 50 Mill. Euro bereitgestellt, von denen inzwischen gut 30 Millionen verbraucht sind – offenbar ohne den gewünschten Erfolg. „Wir sind ganz und gar nicht zufrieden mit dem Verbrauchergeschäft in Deutschland im dritten Quartal“, sagt Barry-Callebaut-Chef Patrick De Maeseneire. Unter dem überraschenden Trend zu billigen Handelsmarken als Folge von Konsumflaute und Preisdruck leide mit Sarotti genau die Marke, auf die Stollwerck seine ganze Hoffnung gesetzt hatte.

In Deutschland sorgen die Gedankenspiele über eine veränderte Produktionsplanung für Unruhe, auch wenn ein Stollwerck-Sprecher darauf hinweist, dass die Mitarbeiter schon länger mit Veränderungen rechnen würden. Es gebe jetzt allerdings „ein paar mehr Punkte an denen wir verstärkt arbeiten“, sagt der Sprecher. Neue Produkte aber auch eine Verkleinerung der Produktion gehörten dazu. Zu den Gewerkschaften wurden noch keine Kontakte hergestellt, sagt Enkelmann und verweist auf das frühe Stadium der neuerlichen Restrukturierungspläne.

Dass die Schweizer in Deutschland Druck machen werden, gilt als sicher: Für Barry Callebaut ist der deutsche Markt der Schlüssel für ein gutes Jahresergebnis. 69 Prozent der Verkaufsmenge, die die Schweizer in ihrem Bereich „Verbraucherprodukte Europa“ absetzen, landen in Deutschland. Falls die Restrukturierung nicht den gewünschten Erfolg hat, halten sich die Schweizer jedoch ein Hintertürchen offen: Sie wollen, heißt es in einer Mitteilung, ihr Exportgeschäft mit dem Ziel ausbauen, die Abhängigkeit von Deutschland zu verringern.

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