Koerfer wird vorerst nicht AR-Chef bei Conti
Strengers Urteil

Das Landgericht Hannover lehnte Donnerstag erneut die Bestellung des Schaeffler-Vertrauten Rolf Koerfer als Continental-Aufsichtsrat ab. Angestrengt hat das Verfahren Conti-Aktionär Christian Strenger, Mitglied der Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung und ehemals Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Am Donnerstag legte er in einem Brief an Contis Führungsgremien nach.

HAMBURG. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Koerfer kann mit dem Urteil jedoch nicht wie vorgesehen am Freitag zum Chefkontrolleur gewählt werden.

Christian Strenger fordert den Vorstand von Continental auf, zu prüfen, ob es ausgereicht habe, bislang lediglich „Besorgnis“ über Einmischungen der Schaeffler-Gruppe in Angelegenheiten der Continental AG zu äußern. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann hatte das Mitte Dezember getan, nachdem sich Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger in einer Phase der Neuverhandlung von Krediten direkt an Contis Banken gewandt hatte. „Wenn etwa die Schaeffler-Gruppe die Banken der Continental AG kontaktiert, ist das ein Vorgang, der die Schaeffler-Gruppe zum Schadenersatz verpflichten kann“, schreibt Strenger.

Der Ex-DWS-Chef ist überzeugt, dass Conti längst von Schaeffler abhängig sei, der Großaktionär aber dennoch Grenzen beachten müsse. Im Brief liest sich das so: „Die Abhängigkeit bedeutet aber keinen Freischein für die Verwaltung der abhängigen Gesellschaft.“ Strenger zweifelt die Eignung des Schaeffler-Vertrauten Rolf Koerfer, Düsseldorfer Partner der internationalen Kanzlei Allen & Overy, als Aufsichtsratschef von Conti an. „Der Aufsichtsratsvorsitzende hat – wie jedes Mitglied des Aufsichtsrats – ausschließlich die Interessen der Continental AG zu vertreten. Gerade daran lassen öffentliche Äußerungen von Herrn Koerfer aber Zweifel aufkommen“, schreibt der profilierte Vertreter von Aktionärsinteressen.

Die Vorbehalte gegen Koerfer bestünden dabei ausdrücklich nicht darin, dass er als Vertreter von Großaktionär Schaeffler in den Aufsichtsrat von Conti einziehen soll. Strenger: „Vielmehr bestehen gegen seine Person besondere Bedenken, die in seiner Rolle als Chefberater der Schaeffler-Gruppe bei der Übernahme der Continental AG begründet liegen.“ Im Raum stehe ein wesentlicher und nicht nur vorübergehender Interessenkonflikt, der die Ausübung eines Aufsichtsratsmandats ausschließen sollte. „Aufsichtsrat und Vorstand sind gehalten zu untersuchen, ob der Interessenkonflikt hier nicht bereits so weit geht, dass Herr Koerfer direkt nach einer Bestellung eine aus der Treubindung ableitbare Pflicht hätte, sein Amt niederzulegen“, fordert Strenger. Sein Urteil: „Es versteht sich von selbst, dass seine Bestellung dann unterbleiben sollte.“

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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