Kohle und Erz
Rohstoffbranche weiß nicht wohin mit ihrem Geld

Gute Nachrichten aus der Bergbaubranche: Die Konzerne verdienen derzeit gut und erwirtschaften üppige Gewinne - soviel, dass manch Unternehmen nicht einmal so richtig weiß, wohin mit dem Geld.
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Toronto/ Düsseldorf/ London

Der Mann hat ein Problem, das andere gerne hätten. BHP Billiton, der weltweit größte Rohstoffkonzern, erwirtschaftet üppige Gewinne - und Unternehmenschef Marius Kloppers weiß nicht so recht, wohin mit dem Geld. Am liebsten wären dem Manager Übernahmen. Doch angesichts des hohen Preisniveaus in der Branche würde das verhältnismäßig teuer, räumt er ein. Ohnehin gebe es nicht mehr viele attraktive Zukaufmöglichkeiten.

Als Ausweg aus dem Dilemma hat Kloppers daher eines der größten Investitionsprogramme in der Branche angekündigt: 80 Milliarden Dollar will BHP Billiton in den nächsten fünf Jahren ausgeben, um bestehende Minen auszubauen und neue Projekte auf den Weg zu bringen. Das ist doppelt so viel, wie das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren ins Wachstum aus eigener Kraft investierte.

Bei BHP Billiton fällt die Steigerung besonders hoch aus. Doch der Trend, die Investitionen massiv zu erhöhen, hat die gesamte Branche erfasst. Ende vergangenen Jahres hatten die Bergbau-Unternehmen Projekte mit Ausgaben von insgesamt 562 Milliarden Dollar (403 Milliarden Euro) in der Pipeline - das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus Daten der schwedischen Raw Materials Group hervor, einer Beratungsfirma, die sich auf die Bergbau-Industrie spezialisiert hat.

Analysten von HSBC erwarten, dass die Investitionen in diesem Jahr noch einmal um bis zu 40 Prozent steigen und damit die bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 2008 deutlich übersteigen werden.

So will Vale, die Nummer zwei unter den Rohstoffkonzernen, 24 Milliarden Dollar allein in diesem Jahr in die Erweiterung und den Neubau von Minen stecken. Rio Tinto will bis Ende des Jahres 13 Milliarden Dollar investieren, Xstrata knapp sieben Milliarden Dollar. Das Gros des Geldes fließt nach Australien und Lateinamerika. Projekte, die noch vor zwei Jahren wegen der weltweiten Krise auf Eis lagen, werden wieder vorangetrieben.

Die Rohstoffförderer haben sich dank des Wachstums in vielen Schwellenländern schneller als erwartet erholt. Sie profitieren vor allem von der enormen Nachfrage Chinas nach Eisenerz und Kohle, Kupfer und Nickel, Zink und Aluminium. Das treibt die Preise unablässig in die Höhe. Noch vor einem Jahr kostete eine Tonne Eisenerz 60 Dollar, jetzt sind es etwa 180 Dollar.

Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Das hat den Unternehmen Gewinne auf Rekordniveau beschert. BHP Billiton etwa erwirtschaftete zwischen Juli und Dezember 2010 einen Überschuss von 10,5 Milliarden Dollar - 71 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Der Cash-Flow aus dem laufenden Geschäft verdoppelte sich auf 12,2 Milliarden Dollar.

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