Kohlegipfel soll Personalfrage lösen
Bund und NRW einigen sich bei RAG

Der monatelange Streit über einen Börsengang der profitablen Industrieaktivitäten des Essener Mischkonzerns RAG ist beigelegt.

DÜSSELDORF/BERLIN. Bei einem Treffen im Bundeswirtschaftsminsister in Berlin sprachen sich Vertreter des Bundes, der Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland, der RAG und der Gewerkschaft IG BCE am Mittwoch einstimmig dafür aus, in die Satzung der geplanten Kohlestiftung als Stiftungszweck den Börsengang aufzunehmen.

Eine Filetierung des Konzerns ist damit vom Tisch. Bereits in der nächsten Woche sollen auf einem weiteren Kohlegipfel die noch offenen Personalfragen geklärt werden, hieß es in Verhandlungskreisen. Zugleich wurde der Zeitplan für die notwendigen Vorbereitungen zum Börsengang gestrafft.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) stemmt sich nach wie vor gegen RAG-Chef Werner Müller als künftigen Stiftungschef. Um den Termin für den Börsengang nicht zu gefährden, müsse die Schlammschlacht der vergangenen Woche nun schleunigst beendet werden, hieß es in den Kreisen weiter. Beobachter halten es für möglich, dass nur Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Dauerfehde zwischen Müller und Rüttgers beenden kann.

Warum will Werner Müller unbedingt den Posten des Stiftungschefs ? Der RAG-Chef gilt sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene als „Vater“ des Stiftungsmodells. Müller ist der Erfinder des Modells, das den jahrzehntelang umstrittenen Ausstieg aus dem hoch subventionierten Steinkohlenbergbau regelt. Der Ex-Bundeswirtschaftsminister könnte mit dem Wechsel an die Stiftungsspitze sein Lebenswerk krönen.

Wie sieht das Modell konkret aus? Das Modell sieht vor, die werthaltigen Teile des RAG-Konzerns – bestehend aus den Bereichen Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien – vom defizitären Bergbau abzuspalten und den Industriekonzern Mitte 2008 an die Börse zu bringen. Zunächst sollen etwa 25 Prozent der Aktien platziert werden. Warum ist dann die Stiftung so mächtig? Die Stiftung wird dauerhaft eine Sperrminorität von 25,1 Prozent am Industriekonzern halten. Damit sichert sie sich einen maßgeblichen Einfluss. Gutachter schätzen, dass der Stiftung aus der Platzierung der Aktien ein Erlös von 5,2 Mrd. Euro zufließen wird. Aus heutiger Sicht reichen die Einnahmen der Stiftung inklusive künftiger Dividenden aus, um die Altlasten des Bergbaus zu begleichen. Experten schätzen die Folgekosten auf 8,5 Mrd. Euro. Die Stiftung soll die Differenz bis 2018 erwirtschaften.

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