Kohlendioxid-Reduzierung
Autohersteller verbitten sich ein CO2-Gesetz

Nur noch knapp zwei Jahre bleiben den europäischen Autoherstellern, um die Kohlendioxid-Emission ihrer Autos im Industriedurchschnitt auf 140 Gramm je Kilometer zu senken. Ein Ziel, das sie nach Expertenmeinung mit großer Wahrscheinlichkeit verfehlen werden. Gegen eine gesetzliche Verpflichtung der Autobauer zur Kohlendioxid-Reduzierung, mit der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas gedroht hatte, wehren sich die Autobauer aber massiv.

hof FRANKFURT. „Die Kommission muss den gesamten Inhalt der Selbstverpflichtung respektieren“, forderte der Generalsekretär des europäischen Herstellerverbandes ACEA, Ivan Hodac, am Rande der Handelsblatt-Autotagung in Frankfurt. Seiner Meinung nach könnte die EU frühestens 2010 über eine gesetzliche Regelung nachdenken, da erst ein Jahr zuvor überprüft werden könne, ob die ACEA-Mitglieder ihr Ziel erreicht hätten, sagt Hodac. Entsprechend vermeidet der Verbandsmanager auch, ein Scheitern der freiwilligen Verpflichtung gegenüber der EU einzuräumen: „Wir tun, was wir können, das sehr ehrgeizige Ziel zu erreichen“, betonte er.

Die EU hatte in einem im Sommer veröffentlichten Zwischenbericht die Autohersteller aufgefordert, „ihre Anstrengungen erheblich zu steigern“, das für den Treibhauseffekt mitverantwortliche CO2 zu reduzieren. Nach Berechnungen der Analysten der WestLB müssten die Autohersteller allerdings ihre Bemühungen verdoppeln, um das Ziel noch zu erreichen. Das sei angesichts der kurzen Zeit und der Kosten unrealistisch, glauben Experten. Die Folge werde „heftiger Widerstand der Politik sein“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Geschäftsführer des Prognoseinstituts B&D Forecast, voraus.

Nach Meinung von Verbandsmanager Hodac stehen die Hersteller allerdings zu Unrecht am Pranger: Die Vereinbarung mit der EU über den Grenzwert von 140 Gramm je Kilometer wurde nämlich unter der Bedingung beschlossen, dass die Politik die Bemühungen der Industrie unterstütze. Die Einführung einer europaweit einheitlichen Besteuerung nach CO2-Emissionen sowie eine vereinbarte Kennzeichnung der Autos nach Umweltkriterien falle in die Verantwortung der Politik: „Passiert ist nicht viel“, kritisiert Hodac.

Außerdem hätten die Hersteller i die Änderung des Kundenverhaltens hin zu größeren, sichereren, komfortableren und damit „durstigeren“ Autos unterschätzt: „Wir können den Kunden nicht vorschreiben, welches Auto sie kaufen“, sagt Hodac und verweist darauf, dass sich das Angebot sparsamer Autos in den vergangenen Jahren vervielfacht hat. „2004 wurden in der EU bereits eine Million Autos zugelassen, die weniger als 120 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen“, sagt Hodac. Die Hersteller gerieten zusätzlich in einen Zielkonflikt, da gesetzliche Regelungen beispielsweise zum Fußgängerschutz oder zur Reduzierung der Stickoxide die Autos schwerer machten und sich negativ auf den Spritverbrauch auswirkten.

Auch den Vorwurf, die Hersteller würden die Investitionen für teure, ökologische Techniken scheuen, lässt Hodac nicht gelten: „Wir müssen Autos bauen, die sich die Kunden leisten können. Denn der beste Klimaschutz ist immer noch, alte Autos schnellstmöglich von der Straße zu nehmen.“

Problem Kohlendioxid

Verbrauch: Der Kohlendioxid-Ausstoß korreliert direkt mit dem Verbrauch. Spritsparen ist die einzige Chance, die CO2-Emission zu senken. Das bedeutet, dass Hersteller großer und sportlicher Autos automatisch auch ein größeres Problem haben.

Verpflichtung: Um gesetzliche Regelungen zu vermeiden, haben sich die europäischen Autohersteller 1998 verpflichtet, den Ausstoß von über 180 Gramm je Kilometer bis 2008 im Industrieschnitt auf 140 Gramm zu senken. Zuletzt lag der Wert bei etwa 160 Gramm.

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