Kokainmissbrauch in Japan
VW-Manager wegen Drogenvorwürfen verhaftet

Selbst der Konsum kleiner Mengen Hasch kann in Japan zu mehrjährigen Freiheitsstrafe führen. Nun wird einem deutschen VW-Manager sogar Kokainmissbrauch vorgeworfen, den er bereits zugeben haben soll.
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TokioVolkswagen kommt auch in Japan nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Doch zur Abwechslung ist nicht der Emissionsbetrug bei Dieselmotoren der Grund, sondern ein Drogenfall im Management. Thomas S., ein hochrangiger Manager der Volkswagen-Gruppe Japan, ist am Mittwoch unter dem Vorwurf des Drogenkonsums verhaftet worden. 

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei berichtete, wird ihm vorgeworfen, diesen Monat in Tokio oder der näheren Umgebung Drogen genommen zu haben. S. habe den Konsum von Kokain zugegeben, aber die Einnahme anderer illegaler Rauschmittel verneint, so die Polizei. Die Beamten durchsuchten bereits seine Wohnung und prüfen nun, wie der deutsche Manager an die Drogen gekommen ist. 

Volkswagen reagierte sofort auf die Nachricht und verbeugte sich – wie in Japan üblich – schriftlich tief vor seinen Kunden. „Wir bedauern zutiefst die Tatsache, dann ein Angestellter unseres Unternehmens für eine persönliche Angelegenheit in Polizeigewahrsam genommen wurde“, schreibt der Konzern in einer kurzen Presseerklärung. Und damit ist VW gut beraten. Denn in einem Land, in dem selbst der Besitz von einem halben Gramm Hasch schon zu Haftstrafen führen kann, hat der Konsum von Kokain erst recht ernsthafte Konsequenzen.

Denn bei Drogen kennt die Polizei in Japan kein Pardon. Seit Jahrzehnten verfolgt Japan eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Drogen und auch Arzneimitteln, die Opiate oder andere aufputschende Mittelchen enthalten. Und schon das Polizeigewahrsam ist hart. Verdächtige können bis zu 23 Tage lang von der Polizei verhört werden, bevor sie dem Haftrichter vorgeführt werden. 

Die harte Haltung wird auch Ausländern immer wieder zum Verhängnis, die einen lockeren Umgang mit Rausch- und Betäubungsmitteln gewöhnt sind. Und S. kann nur hoffen, dass er so glimpflich davonkommt wie zwei prominente ausländische Missetäter. Beatles-Star Paul McCartney verbrachte 1980 neun Tage hinter Gittern, weil er Marihuana im Tourgepäck hatte. Und 2015 wurde Toyotas erste ausländische Pressechefin Julie Hamp verhaftet. Denn ihr Vater hatte ihr in einem Paket neben Schmuckkettchen auch 57 Pillen des Schmerzmittels Oxycodon geschickt, das in den USA oft als Rauschmittel missbraucht wird.

Hamps Fall zeigte allerdings bei aller Härte auch, dass Japans Staatsanwälte einen großen Ermessensspielraum dabei haben, ob sie einen Fall vor Gericht bringen oder nicht. In ihrem Fall verzichteten die Ermittler darauf und setzten die Führungskraft nach der Haft direkt in ein Flugzeug gen USA. Hinter der Milde stand vielleicht auch gutes Zureden der US-Botschaft. Aber Rechtsexperten glaubten, dass die Ermittler wohl auch die soziale Bestrafung von Hamp als abschreckend genug ansahen, um sie ziehen zu lassen. 

Sie hatte zwar anfänglich geleugnet, dass sie die Pillen mit Absicht einschmuggeln wollte. Doch sie quittierte von sich aus ihren Job. Außerdem konnten die Ermittler Toyota vorführen: Die Polizei durchsuchte Büros des Konzerns. Und Konzernchef Akio Toyoda sah sich gezwungen, sich persönlich für die Verwirrung zu entschuldigen, die der Fall gestiftet hatte. 

Die gute Nachricht für VW: Anders als der Dieselskandal wird dieser Fall VWs Absatz wohl kaum treffen. Aber für S. muss sich zeigen, ob er genauso milde davon kommt wie Hamp und ohne Anklage ausreisen darf.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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