Kommentar
BP darf alte Fehler nicht wiederholen

BP hat die Katastrophe im Golf von Mexiko erstaunlich gut überstanden. Jetzt muss BP wieder wachsen - ohne neue Fehler zu machen.
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War das ein Versprecher oder der Totalaussetzer? "Wir haben uns entschieden, künftig nur noch Ölplattformen zu mieten, die den Standards entsprechen", sagte BP-Chef Bob Dudley Ende vergangener Woche auf der Hauptversammlung des Konzerns. Fast genau ein Jahr nach der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko gibt Dudley damit zu: Bislang hat BP offenbar nicht so genau hingeschaut, ob die Ölplattformen auch wirklich auf dem neuesten Stand der Technik waren.

Die Aussage offenbart Einblicke in die tiefen Abgründe der Ölförderbranche und den langen Weg, den BP noch vor sich hat. Der Konzern muss sein Image als Umweltsünder abschütteln, seine Einstellung zu Risiken radikal ändern und sich grundlegend neu ausrichten. Die eigentliche Arbeit fängt für BP-Chef Dudley jetzt erst an. Die Strategien, die er entwickelt hat, muss er umsetzen. Fehler darf er sich nicht mehr erlauben, denn langsam verlieren die Investoren die Geduld. Sie wollen endlich sehen, dass BP die Krise hinter sich lassen und ein erneutes Desaster wie das vor einem Jahr vermeiden kann.

Am 20. April 2010 war im Golf von Mexiko die Bohrinsel "Deepwater Horizon" explodiert, die im Auftrag des britischen Ölmultis betrieben wurde. Was folgte, war die größte Ölpest der amerikanischen Geschichte - und eine der schlimmsten Krisen von BP. Aus einem Konzern mit glänzenden Bilanzen und Topdividenden, der sogar seinen Erzrivalen Shell in den Schatten gestellt hatte, wurde schlagartig ein Übernahmekandidat, ein Unternehmen mit düsteren Zukunftsaussichten.

Immerhin: Ein Jahr nach dem Desaster steht BP deutlich besser da als erwartet - vor allem dank Faktoren, auf die das Unternehmen keinen Einfluss hat. Die boomende Weltwirtschaft hat die Nachfrage nach Öl beflügelt, und die politische Unsicherheit im Nahen Osten hat den Ölpreis in die Höhe schießen lassen. Anders als Konkurrenten war BP in den Krisenregionen in Nordafrika kaum tätig - und büßte entsprechend wenig an Umsatz ein.

Zudem hat BP Teile des Konzerns zu sehr guten Preisen verkauft. Das spülte unerwartet viel Geld in die Taschen. Die unmittelbaren Kosten der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko - BP geht derzeit von bis zu 41 Milliarden Dollar aus - kann das Unternehmen daher wegstecken. Mehr als die Hälfte dieser Summe hat der Konzern bereits eingenommen, nachdem er sich von Öl- und Gasfeldern trennte. Im vierten Quartal des abgelaufenen Jahres hat der Ölmulti auch wieder einen üppigen Nettogewinn erwirtschaftet - knapp fünf Milliarden Dollar. So dürfte es auch weitergehen. Und wenn der Konzern im Sommer seine seit "Deepwater Horizon" gestoppten Bohrprojekte im Golf von Mexiko fortsetzen darf, wird er weiter an Finanzkraft gewinnen.

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