Kommentar
Ein guter Kurs reicht Siemens nicht

Steigende Umsätze und Gewinne - der Elektronikkonzern Siemens ist auf Kurs. Doch am Horizont tauchen Wolken auf. Und deshalb steht hinter dem Milliarden-Umsatzziel von Konzernchef Löscher ein Fragezeichen. Ein Kommentar.
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MünchenSiemens steht am Scheideweg. Vorstandschef Peter Löscher hat das Unternehmen operativ auf Kurs gebracht - davon zeugt das operative Rekordergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr. Dabei ist der Technologieriese sogar so stark unterwegs, dass er eine Vielzahl von ärgerlichen Sonderbelastungen verkraften kann. Die erreichen - in der Siemenshistorie ist das kein neues Phänomen -Milliardendimensionen.

Diesmal reicht die Palette von einer Vertragsstrafe für den schnellen Ausstieg aus dem Nuklear-Joint-Venture mit Areva über Probleme in der Medizintechnik bis hin zu einem Fehleinkauf im Solarbereich. Doch all diese Probleme sind erkannt und angegangen. Insgesamt stimmt Löschers letzte Bilanz. 

Spannender ist jedoch der Blick nach vorne. Da sind zum einen die konjunkturellen Risiken. Eine Abschwächung der Weltwirtschaft könnte den Infrastruktur-Anbieter Siemens hart treffen. Erste dunkle Wolken sind bereits am Horizont zu erkennen. Im abgelaufenen Quartal ging der Auftragseingang erstmals seit langem zurück. 

Kurzfristig bleibt der Koloss Siemens auf Wachstumskurs. Der Konzern sitzt auf einem Rekordauftragsbestand - dies federt kurzfristige Zyklen ab. So kann Löscher auch im laufenden Geschäftsjahr Umsatzwachstum versprechen. 

Das wird allerdings, und damit kommen wir zur spannendsten Frage, so klein ausfallen, dass das 100-Milliarden-Umsatzziel, das Löscher ausgegeben hat, in weiter Ferne bleibt. Wie er konkret an die 100-Milliarden-Marke herankommen will - erst recht in einem konjunkturell unsicheren Umfeld - lässt Löscher bisher im Vagen. Ohne Akquisitionen, das steht fest, wird es nicht gehen. Doch in Sachen Zukäufe hat Löscher bisher kein glückliches Händchen. Bei Dade Behring und Solel waren hohe Abschreibungen auf den Firmenwert notwendig.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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