Kommentar
Manroland scheitert an seiner Eitelkeit

Die Pleite des Druckmaschinenherstellers Manroland war vermeidbar. Dass es soweit kam, hängt zu weiten Teilen von strukturellen Problemen ab - aber auch an den Besonderheiten der Branche.
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FrankfurtMit harten Einsparungen haben die allesamt aus Deutschland stammenden Markführer Heidelberger Druck, Koenig & Bauer (KBA) sowie Manroland gegen die Überkapazitäten in der Industrie angekämpft. Die Rechnung des Trios war einfach: Nach dem krisenbedingten Absturz vor drei Jahren musste es bergauf gehen. Die Überkapazitäten bauten sie daher nicht ganz ab.
Ein Fehler. Die Erholung blieb aus, die Unternehmen rutschten in die Verlustzone.

Manroland mit seiner schwachen Bilanzstruktur konnte dies nicht mehr aushalten. Da die Eigentümer – die Allianz-Tochter ACP und die frühere Mutterfirma MAN – ‚keine Kapital nachschossen, wurde der Antrag auf Insolvenz unabwendbar.
Die Pleite war vermeidbar. Viel zu lange schon schieben sich die Vorstände von Heideldruck, Manroland und KBA den schwarzen Peter zu, wer Schuld an der Misere trägt. Eine Marktbereinigung über eine Konsolidierung scheiterte auch weil die Firmen nicht wirklich miteinander können.
Dass diese Eitelkeit sich rächt, hat sich heute gezeigt. Schadenfreude bei KBA oder Heideldruck wäre vollkommen fehl am Platz. Die Firmen schreiben selbst Verluste, sie müssen aktiv daran arbeiten, dass die Überkapazitäten verschwinden.

Mit der Pleite von Manroland wird dies nicht unbedingt der Fall sein. Der Markenname und die Technik von Manroland sind begehrt. Kauft die Assets ein finanzstarker Spieler, dann kann es für die beiden verbliebenen Anbieter schwer werden.

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  • Der Kommentar blendet ein wesentliches Faktum aus. Der Wettbewerber aus Heidelberg ist nur durch Staatsbürgschaften in Höhe von 445 Millionen Euro einer Insolvenz entgangen. Man kann nur spekulieren, in welchem Maße manroland von einer Insolvenz der Heidelberger profitiert hätte. Wäre die Pleite von manroland ohne die rettende Hand des Staates für den größten Wettbewerber möglicherweise gar nicht eingetreten? Wäre Heidelberg ohne diese Zuwendungen nicht bereits in 2009 gezwungen gewesen, Überkapazitäten in viel stärkerem Maße aus dem Markt zu nehmen? Konnte Heidelberg die staatlichen Mittel nutzen, um die Wettbewerber im Preiskampf zusätzlich unter Druck zu setzen? Fragen über Fragen, die aber zeigen dass die Probleme von manroland nicht monokausal mit der Eitelkeit des Managements zu erklären sind. Die staatliche Eingrife zugunsten des Wettbewerbs spielen eine wesentliche Rolle. Mit einem gewissen Recht werden die "Roländer" nun Fragen, ob für sie nicht recht ist, was für Heidelberg billig war.

    Ein Ehemaliger

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