Kommentar

RWE und Eon müssen endlich aufwachen

Eon und RWE stehen beispielhaft für das Ende einer Ära - und für Konzeptionslosigkeit. Die Energiewende hat sie kalt erwischt.
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Klaus Stratmann ist Korrespondent in Berlin und Experte für Energiethemen. Quelle: Pablo Castagnola

Klaus Stratmann ist Korrespondent in Berlin und Experte für Energiethemen.

(Foto: Pablo Castagnola)

Selten hat sich das Geschäftsmodell einer Branche in solchem Tempo verändert. Die Energiewende entwertet nicht nur einen erheblichen Teil der Stromerzeugungskapazitäten der vier Unternehmen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall. Sie stellt zugleich das auf große Einheiten und große Profite ausgerichtete Geschäftsmodell der Konzerne infrage.

Jahrzehntelang war alles ganz einfach für die Chefs der Energiekonzerne. Sie bauten ihre Großkraftwerke dort, wo die Industrie sie brauchte und die Bevölkerung leicht versorgt werden konnte. Wettbewerb spielte zunächst gar keine, später eine untergeordnete Rolle, seit einigen Jahren spielt er immerhin eine wahrnehmbare Rolle. Auf diesem Nährboden sind Konzerne entstanden, die nun zu träge sind.

Erneuerbare Energien? Ein Geschäft für Spinner. Dezentrale Versorgung? Eine Idee für Träumer. So tickten sie lange Zeit, die Manager in den Konzernzentralen. Sich von den komfortablen Rahmenbedingungen zu verabschieden fiel ihnen schwer. Auf jede Veränderung reagierten sie unwirsch, meist mit einem Protestbrief an den jeweiligen Amtsinhaber im Kanzleramt.

Das Beharrungsvermögen vergangener Jahre rächt sich jetzt. So hätte man durchaus schon vor ein paar Jahren bemerken können, dass sich die erneuerbaren Energien zu einem interessanten Betätigungsfeld entwickeln. Statt sie voranzubringen, standen die vier Großen lange am Spielfeldrand. Selbst heute tun sie das noch - auch wenn sie sich offiziell zur Stromgewinnung aus Wind, Sonne, Wasser, Geothermie oder Biomasse bekennen. In Wahrheit fremdeln sie damit noch immer.

Auch von Eon ist nicht viel zu erwarten
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24 Kommentare zu "Kommentar: RWE und Eon müssen endlich aufwachen"

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  • Da jammert ein Journalist wohl den Energiekonzernen hinterher. Ob er den Markt begriffen hat? Sollen doch diejenigen, welche die Energiewende gewollt und beschlossen haben, diese Wende selber machen. Die großen Energiekonzerne, wahrlich genug angefeindet, sind im Prinzip frei, ins Ausland zu gehen. Oder haben wir Staatswirtschaft und wussten es bloß nicht?

  • An alle Energieromantiker:
    1. Wie soll das funktionieren, wenn einer (Windparkbetreiber) sich die Rosinen heraussuchen darf (subv. Strom) und dann ein Depp gesucht wird, der an 40 - 80 Tagen im Jahr ein Gas-/dampfkraftwerk betreibt und es, falls Wind-/Sonnenstrom vorhanden ist, abschalten darf?
    2. Wer soll denn das ganze Smart Grid Gedöns aufstellen und finanzieren, wenn niemand bereit ist dafür zu bezahlen. Mein Vorschlag: Die Bundesnetzagentur erhöht die Durchleitgebühren (Smart Grid Steuer) und finanziert damit die Regelkapazitäten.
    3. Wer soll bitte schön 4fach teurerer HGÜ Leitungen im Boden verlegen, wenn das a) nur Point to Point Verbindungen sind, die dem Netz gar nicht helfen und b)dazwischen liegende Kraftwerke mit Regelkapazität dort nicht einspeisen können (bzw. unverh. mäßigen Aufwand treiben müssen)
    4. Wer will dem Farmer/Bauern/Querulanten verbieten, gegen Stromtrassen zu klagen und sie bis zum Sankt Nimmerleinstag zu blockieren (Europäischer Gerichtshof!)
    Fragen über Fragen, die auch H. Rösler, unsere wirtschaftpol. Allzweckwaffe nicht beantworten wird. Die Grünen, die SPD und die Linke können nicht mal diese Fragen stellen.

  • Ja , die Spezialisten haben das Wort und ich kann den ganzen Mist bezahlen. Die Strompreise sind in den letzten Jahren schon unerhört stark gestiegen und es regt sich keiner darüber auf ( oder doch ??).
    Wenn das Gas billiger wird, kann ich meinen Strom mit einem großen Gas-Generator selber machen, dabei die Hütte heizen und den Rest einspeisen. Wenn es gute Akku-altenativen gibt, ist die Speicherung auch kein Thema mehr.
    Aber will ich das ?? Bin ich Unternehmer mit angeschlossener Hausbank ? Bin Familienvater, der mit Grauen an die Zuknuft seiner Kinder denkt.
    Alles nur skrupellose Geschäftemacherei !!!
    Bin 50, Ingenieur und kein Vollidiot !

  • Das entspricht auch meiner Meinung. Wir gehen grob davon aus, daß in 20 Jahren ca. 50-70 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus Kernkraftwerken kommen werden - solchen im Inland oder im Ausland. Das planwirtschaftliche Einspeiseparadies wird sich bis dahin als katastrophaler Fehlschlag herausgestellt haben und längst "abgeschaltet" worden sein.

    Klaus Ermecke
    KE Research
    Oberhaching

  • Was für ein hahnebüchener Unsinn! Nehmen Sie zur Kenntnis, daß wir keine maoistische Umerziehung wollen, sondern ganz einfach nur billigen und technisch und physikalisch sauberen Strom. Sauber ist Strom dann, wenn er den spezifizierten Frequenzgang genau einhält - was man von dem Windmühlschrottstrom nicht sagen kann.
    Übrigens war es in der Vergangenheit eine der Haupterrungenschaften der Energiewirtschaft, daß diese kapazitätsmäßig, regelungstechnisch und organisatorisch in der Lage war, jede Schwankung in der von den Stromkunden abgerufenen Leistung sofort zu bedienen. Wenn heute von "Smart Grids" geredet wird, dient dies nur dazu, den von der Ideologie und Planwirtschaft herbeigeführten Mangel zu verstecken, indem man weitere Milliarden in Gerätschaften investiert, deren Zweck a) in der zentralen Überwachung und b) der Zwangsabschaltung von Verbrauchern liegt. Orwell läßt grüßen!
    Wir müssen lernen, die Spinner wieder "Spinner" zu nennen. Und wir dürfen ihnen nicht länger unser Land überlassen. In der Energiewirtschaft müssen wir vor allem sofort zurück zu einem freien Markt. Dann lösen sich alle selbstgemachten Probleme von ganz alleine.

  • Herr Stratmann ist also "Energieexperte"? Sehr interessant" Dann sollte er als erstes beachten, daß es keine "Erneuerbare Energie" gibt - das ist nur eine Marketing-Worthülse a) der daran interessierten Branchen und b) der das Geschehen treibenden ideologischen Kräfte. Als nächstes sollte er beachten, daß man zum Betrieb eines Stromnetzes planbare Leistung braucht. Liefern Windparks planbare Leistung? Bekanntlich nicht! Solarpanele? Nein.
    Dann ist das, was die Regierung dem Land und der Wirtschaft aufzwingt, nicht Markt und nicht Wettbewerb: es ist eine Plan- und Zwangswirtschaft, indem die Betreiber gezwungen werden, einerseits voll funktionsfähige und - im Gegensatz zu Japan - bezogen auf die zu erwartenden Umweltbedingungen absolut sicheren Großanlagen zu opfern, um dann ein ungeeignetes Produkt einer Hätschelbranche ankaufen zu müssen - bis zur technischen Sabotage der eigenen Netzinfrastruktur durch erzwungene Überlastung mit Zufallsstrom.
    Ist nun die Stromversorgung, die von der Politik angedacht wird, "dezentral"? Nein, auch das ist eine Lüge. Bisher waren die Kraftwerke der Versorgungsunternehmen über das Land verteilt und produzierten marktnah. Jetzt sollen - nachdem man die marktnah aufgebauten Großkraftwerke insbesondere in Süddeutschland zerstört hat, "Stromautobahnen" gebaut werden. Warum? Weil eben nicht mehr dezentral produziert wird, es wird vielmehr extern produziert.

    Schließlich weiß ich nicht, was der Hinweis auf die Geothermie soll. Zufälligerweise sitze ich hier mitten in der Geothermie-Vorzeigeregion Deutschlands, und was sich hier zeigt, ist, daß die Geothermie für die Stromerzeugung völlig unwirtschaftlich ist.

    Deutschland hat sich in einer emotionalen Aufwallung zu einer Serie katastrophaler energiewirtschaftlicher Fehlentscheidungen verleiten lassen. Die gilt es jetzt aufzuarbeiten und zu revidieren. Das Schönen der Fakten durch regierungsnahe Medien ist ein Teil des Problems, auch den gilt es zu erkennen.

  • Diese Entscheidung Merkels war brutal aber weckt schlafende Riesen endlich auf!
    Dasselbe sollte Merkel, brutal, als Gesetz einführen:
    1. Kein Auto darf mehr als 4 Liter verbrauchen ab 2013
    2. BAB Limit 120 Km/h, wie Schweiz und die meisten Europa
    Staaten
    3. Firmenwagen kein Vorsteuerabzug mehr und Abschreibung nur bis zu einem Limit von 30.000 €
    Das muß auch für den Export gelten
    Nur das rüttelt die Penner-Branche auf!

  • Seltsam ist, dass das für die Unternehmen nun alles ganz plötzlich kommt. War nicht vor dem hin und her der derzeitigen Regierung der Atomausstieg längst beschlossene Sache der damaligen rot-grünen Amtsträger?

  • Klar die Situation der 4 Grossen dargestellt ! Unserer Industrie und die Politiker schlafen aber weiter ! Welche Exportchancen HGÜ bietet , hat die Masse überhaupt nicht erkannt !

  • Selten einen so schlecht recherchierten Kommentar gelesen. RWE hat vor Jahren bereits zugegeben den Weg zu den erneuerbaren Energien zu spät anerkannt zu haben. Mit Antritt des amtieren Vorstandsvorsitzenden wurde festgelegt, daß speziell dafür eine Gesellschaft gegründet wird, die ca. 25 % des Jahresergebnisses !!! in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken wird. Dieser Betrag wurde sogar noch aufgestockt. Als dieses Unternehmen "aufgewacht" ist, hat es damit um so mehr den Willen zum "Aufholen" gezeigt. Oder kennt jemand ein deutsches Unternehmen, dass jährlich ca. 25 % des eigenen Ergebnisses in die Energie der Zukunft steckt? RWE ist übrigens meines Erachtens der größte Privatinvestor in diesem Bereich.
    Nebenbei sei noch erwähnt, dass RWE schon seit Jahren Aktiviäten zur Energieeinsparung betreibt. Von "Aufwachen" kann daher nur bei den Journalisten gesprochen werden.

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