Kommentar Saab
Wunder misslungen

Auf eine Präsenz auf der IAA hat der schwedische Autobauer Saab verzichtet - notgedrungen. Nicht nur auf der Frankfurter Messe wird die Kultmarke verschwinden, sondern insgesamt.
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Saab wird unsichtbar. Auf einer der wichtigsten Leitmessen der Branche, der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), kann der Hersteller im September nicht Flagge zeigen. Und viele Händler montieren die Schilder der schwedischen Marke ab.

Wenn nicht einmal mehr die Verkäufer Saab vertrauen, wie sollen es dann die Autokäufer tun? Da hilft es auch nicht, dass die Schweden sich eine treue Fangemeinde aufgebaut haben - zumal die Konkurrenz ihr heute bessere Alternativen anzubieten hat als in früheren Zeiten. Das Vertrauen ist erschüttert, der Glaube an Saabs Zukunft ist gebrochen.

Das gilt auch für die Beschäftigten. Gestern kündigte Saab an, dass sie zum dritten Mal in Folge ihren Monatslohn nicht pünktlich bekommen werden. Das Geld für Juli hat das Unternehmen nur durch den Verkauf neuer Aktien bezahlen können - und auch das verspätet.

Und für die Zulieferer, deren Rechnungen Saab nicht mehr ordentlich begleicht. Deshalb steht die Produktion in Trollhättan seit April still und das Wiederanlaufen der Bänder wird immer wieder verschoben.

Es ist schwer vorstellbar, dass die Produktion je wieder in Gang kommt. Nicht umsonst hat Saab dem einstigen Mutterkonzern General Motors 20 Jahre lang fast durchgehend Verluste eingebracht, und der Verkauf an den winzigen schwedischen Sportwagenbauer Koenigsegg scheiterte im letzten Moment. Auf die Insolvenz folgte der Neustart: Mit dem heute in Swedish Automobile umbenannten Unternehmen Spyker aus den Niederlanden trat ein ähnlich kleiner Retter auf den Plan, der umso größere Hoffnungen weckte.

Dessen Chef Victor Muller ist ein glänzender Redner. Aber inzwischen ist klar: Das Wunder von Trollhättan wird ihm nicht gelingen. Er hat stattdessen den letzten Teil dazu beigetragen, dass die Marke nun irreparabel beschädigt ist. Die versprochene Erfolgsgeschichte à la Porsche und Audi wird enden, bevor sie überhaupt begonnen hat. Noch ein Leben wird es für Saab nicht geben. Die Schweden werden als erste europäische Automarke nach der Finanz- und der darauf folgenden Branchenkrise der Autoindustrie verschwinden.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

Kommentare zu " Kommentar Saab: Wunder misslungen"

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  • Solange keine offiziellen Stellungnahmen zu lesen sind, finde ich es eher unseriös, persönliche Einschätzungen als Fakten darzustellen.
    Nachdem trotz monatelangem Produktionsstillstand noch immer kein offizielles Todesurteil gesprochen wurde, sollte man wohl auch die Möglichkeit ins Auge fassen, daß ernsthafte Kräfte (ja, auch die gibt es) an einem Fortbestand interessiert sind (obwohl diese - wenn man die schwedischen Medienberichte vollständig nachliest - eher außerhalb der Grenzen Schwedens zu sitzen scheinen)

  • Hallo Saab Freunde
    es ist sehr schwierig mit der schwedischen, bequemen
    Arbeitsmetalität umzugehen- die Hauptursache der finanziellen Probleme.
    Eine Lösung wäre, mit weniger motivierten, nicht so trägen,
    Mitarbeitern- weniger aber bessere Saab bauen, als zu GM-Zeiten.

    Die Ersatzteile-Versorgung ist jedenfalls noch lange gesichert
    Grüsse
    team saab-ersatzteile.de
    www.saab-ersatzteile.de

  • Es ist schon impertinent, wie hier mit Saab umgegangen wird. Doch wie so oft schon passiert: totgesagte leben länger.

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