Kommentar zu Voith
Lienhards Rosskur

Voith schreibt rote Zahlen. Zwar berichtet Firmenchef Hubert Lienhard von Fortschritten. Doch seine Maßnahmen müssen jetzt Wirkung zeigen – bisher ist seine Ära keine Erfolgsgeschichte. Ein Kommentar.
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StuttgartMan muss wohl schon mehr als zwei Jahrzehnte zurückdenken, um ein Geschäftsjahr mit roten Zahlen bei dem 1867 gegründeten Traditionskonzern Voith zu finden.

Es mag Zufall gewesen sein, dass Konzernchef Hubert Lienhard verschnupft aus Shanghai kommend, die Halbjahreszahlen präsentiert hat. Aber auch sein Konzern ist noch nicht auskuriert. Das Unternehmen machte in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2014/2015 (31. März) einen Verlust von 131 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Gewinn noch bei 30 Millionen Euro. Bereinigt stieg das Betriebsergebnis aber um 12 Prozent auf 137 Millionen Euro.

Lienhard berichtet zwar über operative Fortschritte und sieht die Talsohle durchschritten. Aber den Durchhänger im Auftragseingang kann auch er nicht von der Hand weisen. Natürlich kommt es bei Anlagenbauern vor, dass mal Projekte verschoben werden wie bei der Sparte Voith Hydro. Zwischenberichte sind da nur begrenzt aussagekräftig.

Aber sei es drum. Es erhöht den Druck, dass diese Aufträge wenn schon nicht im ersten Halbjahr, dann wenigstens im zweiten kommen. Wenn nicht, ist das Auftragsbuch deutlich dünner. Und Voith braucht die Kraft der Kraftwerkssparte, um den Umbau bei den Papiermaschinen besser zu verkraften. Das Sanierungsprogramm verschlingt 167 Millionen Euro und ist hauptverantwortlich für die roten Zahlen.

Genesung soll das einschneidende Programm mit massivem Personalabbau von 1600 Stellen in der Papiersparte und der Verwaltung bringen. Voith leidet unter dem Einbruch der großen Papiermaschinen, seit durch die Digitalisierung nicht mehr so viel Zeitungspapier benötigt wird. Voith will sich künftig auf Maschinen für Verpackungs- und Hygienepapier konzentrieren.

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