Kommentar zur Kuka-Übernahme
Ein Kompromiss, der in Ordnung geht

Die Kuka-Führung unterstützt nach zwei Wochen Prüfung das Übernahmeangebot des chinesischen Midea-Konzerns. Mehr war wohl auch nicht herauszuholen. Doch ein Unwohlsein bleibt. Ein Kommentar,

MünchenWie lange ist langfristig? Für die Verhandlungen um die Zukunft von Kuka war diese Definition von entscheidender Bedeutung. Für die Finanzmärkte, die eher in Quartalen denken denn in Dekaden, sind schon ein paar Jahre eine halbe Ewigkeit. Manche Normalverbraucher - und womöglich auch die staatlichen Planer in China - denken beim Begriff langfristig eher an Jahrzehnte.

So ging es bei den Verhandlungen um die Zukunft von China um mehr als um Begrifflichkeiten. Der Midea-Konzern, der den Roboterbauer übernehmen will, hatte in Aussicht gestellt, Arbeitsplätze und Standorte „langfristig“ zu garantieren. Kuka-Chef Till Reuter musste nun aushandeln, was darunter zu verstehen ist.

Man traf sich in der Investorenvereinbarung, die am Dienstagabend bekanntgegeben wurde, nun irgendwo in der Mitte. Fünf Jahre war wohl die definitorische Untergrenze - eine Mittelfristplanung läuft in der Regel über drei bis fünf Jahre. Geworden sind es nun 7,5 Jahre: Die Garantien sollen bis Ende 2023 gelten.

Der Kompromiss geht in Ordnung. Die Chinesen bieten den Kuka-Anlegern einen stolzen Preis, durch die Kurseinbrüche der vergangenen Tage sieht die Offerte noch besser aus. Da kein deutscher Gegenbieter in Sicht ist, ist die positive Bewertung des Vorstands nur konsequent: so ein Angebot kann man, wenn die Rahmenbedingungen auch für die Mitarbeiter und die Kunden stimmen, kaum ablehnen.

Denn ob es einem gefällt oder nicht: Es ist das gute Recht der Chinesen, das Unternehmen zu kaufen. Daher ging es für Kuka nur darum, das beste herauszuholen. Natürlich wird mit der Investorenvereinbarung nicht für alle Zeiten verhindert, dass Technologien und Produktion nach China abwandern.

Solche Garantien gibt es in der Wirtschaftswelt nicht, egal wer Kuka übernimmt. Bei Finanzinvestoren, die den mittelfristigen Exit suchen, muss mit deutlich einschneidenderen Maßnahmen gerechnet werden, als bei einem strategischen Investor aus China. Nicht umsonst war die Unruhe bei Kuka deutlich größer, als noch Guy Wyser-Pratte zu den Anteilseignern gehörte.

Dagegen haben sich seriöse Investoren aus China bislang meist als gute Eigentümer erwiesen, die ihre Beteiligungen an der langen Leine führen. Unternehmen in China wissen Qualität „Made in Germany“ zu schätzen. Eine starke Produktionsbasis in Deutschland hat daher auch für einen chinesischen Eigentümer einen Wert.

Investoren aus Deutschland haben sich bislang nicht aus der Deckung gewagt. Daher möge nun Midea zum Zug kommen. Ein Unwohlsein bleibt, denn bislang ist es teilweise eine Einbahnstraße. Technologieperlen aus China können nicht so einfach von deutschen Investoren übernommen werden. Ein Nachteil für den ordnungspolitischen Musterknaben Deutschland.

Doch die Bedeutung von Kuka sollte nun auch nicht überschätzt werden. Das Unternehmen ist ein innovativer Player in der Industrie 4.0, zweifelsohne. Doch bewegt sich Kuka mit den Robotern am Ende der Kette in der digitalen Produktion, die Rolle von Siemens zum Beispiel ist hier noch höher einzuschätzen.

Zudem erzielt Kuka nur den kleineren Teil der drei Milliarden Euro Umsatz in der Robotik. Und dafür Sorge tragen, dass Kundendaten nicht abgeschöpft werden können, muss Kuka so oder so. Egal unter welchem Eigentümer.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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