Kommunale Anteilseigner
Aktienkurs bringt Kommunen bei RWE in Zugzwang

Eine Reihe von Kommunen verkauft ihre Anteile an dem Energiekonzern, um Schulden abzubauen. Andere wollen Einfluss behalten.

HB DÜSSELDORF. Die umstrittene Beteiligung nordrhein-westfälischer Kommunen am Energiekonzern RWE schmilzt durch den Höhenflug der Aktie schrittweise ab. Als nächster kommunaler Anteilseigner hat jetzt die Stadt Köln den Verkauf eines Aktienpaketes eingeleitet. Die Stadt will die 118 120 Aktien, die sie direkt hält, zügig am Markt platzieren und verhandelt schon mit verschiedenen Kreditinstituten über die Konditionen. In den vergangenen Monaten haben sich bereits rund 20 Kommunen von zusammen 8,5 Mill. Aktien getrennt, weitere dürften folgen.

Die Beteiligung von Städten, Gemeinden, Landkreisen und Zweckverbänden am Essener Energiekonzern ist historisch gewachsen, aber höchst umstritten. Immer wieder haben Vertreter der kommunalen Aktionäre Entscheidungen im Aufsichtsrat blockiert und mit Standortfragen verknüpft.

Ihr Einfluss ist nach wie vor enorm. Nach den zuletzt verfügbaren Daten von Juli halten die Kommunen noch 31 Prozent des Aktienkapitals. Der steigende Kurs verlockt aber offenbar immer mehr Kämmerer, mit dem Aktienvermögen Haushaltslöcher zu stopfen. In diesem Jahr hat die RWE-Aktie um 46 Prozent zugelegt und zuletzt sogar die Marke von 60 Euro durchbrochen. Im selben Zeitraum ist der Anteil der Kommunen um zwei Prozentpunkte gesunken, in den vergangenen drei Jahren sogar um fünf Prozentpunkte.

„Der Aktienkurs hat sich erfreulich entwickelt, jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt“, erläutert Hans Dieter Körber, der die Kämmerei in Köln leitet. Der Stadtrat hatte einen Mindesterlös von 5,9 Mill. Euro zur Bedingung für den Verkauf gemacht. Zur Zeit ist das Paket an der Börse über sieben Mill. Euro wert. „Einer Kommune wie uns bleibt nichts anderes übrig, als die Aktien zu Geld zu machen“, sagt Körber. Die verschuldete Stadt unterliegt dem Haushaltssicherungskonzept und muss Fehlbeträge im Haushalt ausgleichen.

Finanznot treibt die meisten kommunalen Aktionäre um. Chronisch schwache Kommunen wie Oberhausen oder Gelsenkirchen haben bereits in den vergangenen Jahren mit Wandelanleihen den Ausstieg aus RWE eingeleitet, in diesem Jahr folgten weitere Städte wie Bottrop.

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