Kommunikationschef geht
Siemens kehrt mit eisernem Besen

Das Aufräumen im Münchener Siemens-Konzern geht mit hohem Tempo weiter. Nach Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und dem Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld geht nun auch der Kommunikationschef des Unternehmens: Janos Gönczöl soll in den vergangenen Monaten etliche Fehler begangen haben, die das ganze Unternehmen in ein schlechtes Licht rückten.

HB DÜSSELDORF. Der Leiter der weltweiten Siemens-Kommunikation verlasse den Konzern Ende Mai „auf eigenen Wunsch“, teilte das Unternehmen am Montag mit. Nachfolger werde Stephan Heimbach, der zuletzt die Abteilung Corporate Messages/Corporate Affairs leitete.

„Die Gestaltung der Kommunikation in dieser turbulenten, durch viele Gerüchte und Spekulationen geprägten Zeit war nicht immer einfach“, sagte Gönczöl. „Mit diesem Schritt erhoffe ich mir, dass auch die Kommunikation wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gelangt.“ Er hatte die Position des Chef-Kommunikators erst am 1. Oktober 2005 übernommen und die Abteilung seitdem weltweit geleitet.

Nachfolger Heimbach verfüge über eine breite Kenntnis des Unternehmens und langjährige Erfahrung in der Kommunikation nach innen und außen, so das Unternehmen. Schon in seiner bisherigen Funktion habe er in enger Verbindung zu Vorstand und Aufsichtsrat gestanden. „Wir danken Janos Gönczöl ausdrücklich für seine große Leistung in einer äußerst schwierigen Phase des Unternehmens.“, sagte Klaus Kleinfeld, der ebenfalls spätestens im Herbst als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG ausscheidet.

Für Insider kommt der Abschied des Kommunikationschefs nicht überraschend. Kleinfeld hatte Gönczöl vor weniger als zwei Jahren auf diesen Posten gehoben. Der gebürtige Ungar galt als Vertrauter des scheidenden Siemens-Vorstandsvorsitzenden. Geht der erste Mann eines Unternehmens, wird häufig auch der Kommunikations- und Presse-Verantwortliche ausgetauscht. Gönczöl übernimmt mit seinem Rückzug die Verantwortung für die miserable Außendarstellung des Konzerns in den vergangenen Monaten. Die verschiedenen Korruptions- und Bestechungsaffären haben den Münchener Technologie-Konzern in ein extrem schlechtes Licht in der Öffentlichkeit gerückt.

Siemens-Mitarbeiter machen Druck

Der Verein der Siemens-Belegschaftsaktionäre verlangt zudem einen internen Nachfolger für den scheidenden Vorstandschef Kleinfeld. „Wir fordern den Aufsichtsrat auf, eine überzeugende Unternehmerpersönlichkeit für die Position des Vorstandsvorsitzenden aus den eigenen Reihen zu gewinnen“, erklärte die Aktionärsvereinigung, die nach eigenen Angaben 6 000 Mitarbeiter vertritt, die Siemens-Aktien halten. Der neue Chef müsse unbelastet von den verschiedenen Korruptionsaffären sein, über notwendige Produkt- und Marketingkenntnisse verfügen, Erfahrung in der Führung eines Siemens-Bereichs haben und „Gewähr dafür bieten, dass Kapital- und Arbeitnehmerinteressen in der Unternehmenspolitik gleichermaßen berücksichtigt werden“, hieß es in der Mitteilung vom Montag.

Die vom neuen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme angestrebte externe Lösung für den Chefsessel lehnt der Verband strikt ab: „Eine Fremdbestimmung oder eine Zerschlagung des operativen Geschäfts wäre sowohl einer erfolgreichen Unternehmenspolitik abträglich als auch unserer Unternehmenskultur und den Interessen der Belegschaft.“ Nach Angaben der Aktionärsvereinigung halten Mitarbeiter etwa acht Prozent der Siemens-Aktien.

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