Konflikt um TNK-BP
BP hofft auf eine Lösung des Streits um Joint Venture

Im Streit zwischen dem britischen Mineralölkonzern BP und seinen russischen Partnern im gemeinsamen Unternehmen TNK-BP zeichnet sich eine Lösung ab. Die Auseinandersetzung gilt in den Augen vieler ausländischer Unternehmer als Test dafür, wie es in Russland um die Rechtssicherheit bestellt ist.

ST. PETERSBURG. BP-Chef Tony Hayward zeigte sich jedenfalls auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg zuversichtlich, dass sich der Streit mit den russischen Aktionären des Joint Ventures TNK-BP beilegen lasse. Das Unternehmen werde weiter prosperieren, so Hayward, der sich zuvor in Moskau mit TNK-BP-Teilhaber Mikhail Fridman getroffen hatte.

Steuerverfahren, Visa-Probleme und Durchsuchungen durch den Geheimdienst FSB: Seit zum Jahreswechsel die Stillhalte-Vereinbarung über den Verkauf der Anteile ausgelaufen ist, kommt das Unternehmen nicht zur Ruhe - obwohl alle Partner immer wieder öffentlich betonen, keine Verkaufsabsichten zu verfolgen. Russischen Medienberichten zu Folge gilt der staatliche Energiekonzern Gazprom aber als möglicher Käufer für den russischen Anteil an dem Ölförderer. Der drittgrößte Erdölkonzern in Russland gehört zu je 50 Prozent BP und einem Konsortium russischer Geschäftsmänner - der Alfa Group von Fridman und German Khan (25 Prozent), Access Industries von Leonid Blawatnik (12,5 Prozent) und Renova von Wiktor Wekselberg (12,5 Prozent).

Der Streit zwischen den Partnern war kürzlich an die Öffentlichkeit gelangt, als TNK-BP-Chef Robert Dudley in einem Interview erstmals strategische Differenzen zwischen BP und den russischen Anteilseignern einräumte und vor den Folgen warnte. Das russische Konsortium verlangte daraufhin den Rücktritt Dudleys, was BP allerdings zurückweist. Dudley muss in dieser Woche vor der Staatsanwaltschaft in einem Verfahren wegen Steuerhinterziehungen als Zeuge aussagen.

Gazprom solle nicht bei TNK-BP einsteigen, sagte ein hoher russischer Regierungsbeamter am Rande der Petersburger Konferenz. Dies sei die "schlechteste Lösung", die sich negativ auf das russische Image auswirken werde. Der Staat wolle auch keinen Anteil an dem Unternehmen und sei an dem Streit nicht beteiligt, sagte der Beamte weiter. Klar sei, dass es bei der Auseinandersetzung um die internationale Strategie gehe, so der Beamte. Fridman wolle das Unternehmen auch international entwickeln, was BP wiederum ablehne. Die Auseinandersetzung gilt in den Augen vieler ausländischer Unternehmer als wichtiger Test dafür, wie es in Russland um Unternehmensführung und Rechtssicherheit bestellt ist. BP nahe stehende Kreise hatten das Vorgehen der russischen Seite schon mit "Methoden aus Sowjet-Zeiten" verglichen und indirekt vor allem die Alfa-Group Fridmans verantwortlich gemacht. Ziel sei offenbar, BP indirekt zu entmachten. So solle ein Paket geschnürt werden, bevor ein staatlicher Konzern einsteigt und neben den Aktien auch die Kontrolle übernimmt.

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