Konflikt wegen Turbogeschäft
Balanceakt für neuen Conti-Chef Degenhart

Zwei Wochen nach Amtsantritt steht Continental-Chef Elmar Degenhart vor einem Berg von Problemen. Neben der ungeklärten Frage der Conti-Schulden schwelt ein Konflikt über die Zukunft des Turbo-Geschäftes mit dem Großaktionär Schaeffler. Konzernkreise erwarten nun eine "salomonische Lösung" von dem 50-Jährigen. Keine leichte Aufgabe für den Ex-Schaeffler-Manager.

HAMBURG/MÜNCHEN/FRANKFURT. Elmar Degenhart hat den wohl heißesten Job in der deutschen Autoindustrie angetreten. Der Ex-Schaeffler-Manager und neue Continental-Chef muss einerseits die Conti-Interessen wahren, andererseits darf er seinen ehemaligen Arbeitgeber und Großaktionär nicht verprellen. Degenhart hatte Karl-Thomas Neumann abgelöst, nachdem der sich einen monatelangen Kleinkrieg mit dem Großaktionär Schaeffler geliefert hatte. Der Streit über das Turbo-Geschäft ist seitdem nicht entschieden worden. Konzernkreisen zu Folge steht es aber weit oben auf der Agenda des neuen Vorstandes. Eine Lösung muss sich Degenhart vom Aufsichtsrat absegnen lassen. Das Gremium tagt wieder am 29. September.

Sein Vorgänger Neumann wollte das Geschäft mit Turboladern in ein Joint Venture mit dem Schaeffler-Konkurrenten Magna geben und dafür einen hohen zweistelligen Millionenbetrag von Magna kassieren. Damit wollte er auch die Schuldenlast des Konzerns drücken. Großaktionär Schaeffler will das Geschäft aber im eigenen Haus behalten und selbst einsteigen. Der Turbobereich sei "ein wichtiger Teil der technologischen Logik des Zusammengehens", heißt es in Schaeffler-Kreisen. "Daran einen Wettbewerber zu beteiligen ist wenig sinnvoll."

Neumann hatte stets einen zweistelligen Millionenbetrag für einen Einstieg von Schaeffler verlangt. Noch ist offen, wie sich Degenhart entscheidet. "Wir zahlen für die Technik doch nicht zweimal", heißt es aus Schaeffler-Kreisen in Anspielung auf die faktische Übernahme von Conti durch Schaeffler.

Conti und Schaeffler lehnten eine offizielle Stellungnahme zu dem Thema ab. Über den Fortgang der Gespräche sei Stillschweigen vereinbart worden. "Der Vorstand ist der Continental AG verpflichtet", sagte eine Konzernsprecherin in Hannover. Degenhart braucht für Entscheidungen eine einfache Mehrheit im Conti-Vorstand.

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