Konjunkturdelle hat Folgen
Deutsche Industrie im China-Blues

Die deutschen Industriefirmen bekommen die Schwäche in den Schwellenländern kräftig zu spüren. Chemiehersteller sehen in China bereits eine harte konjunkturelle Landung – mit großen Folgen fürs ganze Asiengeschäft.

DüsseldorfDie deutsche Industrie starrt gebannt auf das Geschehen in China: Erlebt das Land nur eine kleine und vorübergehende Delle im Wirtschaftswachstum? Oder sind die konjunkturellen Probleme doch größer als angenommen? Für die exportstarken Hersteller ist die Lage Im Reich der Mitte entscheidend – schon allein, weil es der größte Standort für die globale Industrieproduktion überhaupt ist.

Aus zwei der drei größten deutschen Industriebranchen kommen jetzt beunruhigende Signale. „In China wird einer harte Landung immer wahrscheinlicher“, heißt es in dem am Mittwoch vorgelegten Quartalsbericht des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Zwar sei das BIP in dem Land im dritten Quartal noch einmal um 6,7 Prozent gestiegen. Die reine Industrieproduktion aber legte nur noch um 5,6 Prozent zu – ein äußerst schwacher Wert für ein Land, das über Jahre hinweg an deutlich zweistellige Wachstumsraten gewöhnt war.

Nach Einschätzungen der Chemieunternehmen strahlt die Wachstumsschwäche in China bereits auf die anderen Länder der Region aus. Das betrifft nicht nur die kleineren, aufstrebenden Volkswirtschaften wie Vietnam. Der zweitgrößte Chemiemarkt in Asien ist Japan und auch dort beobachtet der VCI eine schwächelnde Industrieproduktion und entsprechend schleppende Nachfrage nach Chemikalien. In Japan kommt noch dazu, dass die Wirtschaft noch immer unter den Folgen der Mehrwertsteuererhöhung kämpft.

Die Einschätzungen der Chemieunternehmen sind für die gesamte deutsche Wirtschaft relevant, denn die Branche gilt als verlässlicher Gradmesser für die allgemeine konjunkturelle Lage. In nahezu allen Produkten stecken Chemikalien und Kunststoff, die Hersteller beliefern praktisch die gesamte Wirtschaft.

Schon am Dienstag hat der deutsche Maschinenbau wegen der Lage in China Alarm geschlagen. Im September brachen wegen der Konjunkturabkühlung im Reich der Mitte die Auslandsaufträge um 18 Prozent ein. „Die Turbulenzen insbesondere in China strahlen auf andere wichtige Märkte aus“, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbands VDMA, Ralph Wiechers. „Das Geschäft hat sich im Verlauf des Jahres wieder eingetrübt.“

Den Maschinenbauern ist es bislang weitgehend gelungen, die Rückgänge in dem Schlüsselmarkt durch verstärkte Nachfrage aus den klassischen Industrieländern Europas oder den USA zu kompensieren. Auch aus dem Inland kamen zuletzt vermehrt neue Aufträge. Doch der Ausblick ist mau: Wie in diesem Jahr erwartet die Branche auch für 2016 eine Stagnation bei der Produktion.

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„Sonnenstrahlen am Konjunkturhimmel“

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