Konjunktureinbruch
Vielen Firmen droht böses Erwachen

BASF-Chef Jürgen Hambrecht bleibt seinem Ruf als Pessimist treu: "Ich gehe davon aus, dass die schlimmsten Zeiten noch vor uns liegen." Schon im Herbst 2008 warnte der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Chemiekonzerns BASF vor einem dramatischen Einbruch. Damals glaubten viele seiner Kollegen nur an eine Konjunkturdelle. Es kam anders. Hambrecht könnte wieder recht behalten.

DÜSSELDORF. Selbst vorsichtige Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Wende in diesem Sommer sind nach Einschätzung von Experten verfrüht. Auch wenn die Arbeitslosigkeit im April überraschend sank, auch wenn der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex gerade Entspannung signalisiert. "In vielen Branchen ist das eigentliche Tief erst im nächsten Jahr oder 2011 zu erwarten, weil der Nachfrageeinbruch sich erst dann auf die Produktion auswirken wird," sagt Karl-J. Kraus, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger.

So präsentierte die Maschinenbauindustrie gerade katastrophale Auftragsdaten: Im April brachen die Orders um 58 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Das Auftragsloch wird sich wegen der Vorlaufzeiten in dieser Branche erst nach Monaten in den Werkhallen bemerkbar machen. Schon heute liegt die Auslastung der gesamten gewerblichen Wirtschaft mit 71 Prozent weit unter dem Durchschnitt vergangener Jahre. Noch April 2008 waren die Anlagen im Schnitt zu 87 Prozent ausgelastet.

Auch die allgemein erwartete Insolvenzwelle wird dieses Jahr nicht über die Wirtschaft einbrechen - noch nicht. Die Sanierungsexperten von Alix Partners rechnen erst in sechs bis zwölf Monaten mit einer kräftigen Zunahme. Bis Jahresende wird die Zahl der Pleiten laut Creditreform eher mäßig um 5000 auf 35 000 steigen.

Doch das jüngste Ifo-Stimmungsbarometer liefert auch diese Ergebnisse: 51 Prozent der befragten Manager halten die Produktionskapazitäten ihrer Unternehmen für zu groß, 46 Prozent den Personalbestand. In einigen Branchen, wie etwa Eisen und Chemie, liegen die Umfragewerte noch deutlich darüber. "Daraus", so Branchenexperte Gernot Nerb vom Ifo-Institut, "sind erhebliche Überkapazitäten ersichtlich."

Geradezu katastrophal ist das Bild in der Stahlindustrie. Neun von 15 Hochöfen sind laut der Beratungsfirma Roland Berger zurzeit in Betrieb - und die werden dann auch nur mit halber Kapazität gefahren. Die Hälfte der 94 000 deutschen Stahlwerker ist in Kurzarbeit. Nur wenig besser sieht es in Teilen der Automobilindustrie aus. Bei Daimler beispielsweise arbeiten 58000 Beschäftigte kurz, mehr als ein Drittel der Inlandsbelegschaft. Im März waren nach den letzten verfügbaren Daten 1,1 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland in Kurzarbeit, doppelt so viele hatten fast 20 000 Unternehmen vorsichtshalber dafür angemeldet. Noch halten sich die Betriebe mit Kündigungen zurück. Sie versuchen, die auftragsschwachen Zeiten auf diesem Wege zu überbrücken.

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