Konjunktureinbruch
Volle Lager kosten Firmen Milliarden

In den Regalen der Industrie lagert ein Milliardenrisiko: Absatzeinbrüche, Produktionsstopps und ein rapider Preisverfall in der Rezession zwingen vor allem Industrieunternehmen, Abschreibungen in Millionenhöhe auf ihre Vorräte vorzunehmen. Problem sind vor allem die schnell wachsenden Lagerbestände im Automobilbau, Maschinenbau oder der chemischen Industrie.

DÜSSELDORF. Führende deutsche Konzerne müssen wegen des starken Konjunktureinbruchs mit Abschreibungsbedarf in Millionenhöhe rechnen. Problem sind vor allem die schnell wachsenden Lagerbestände im Automobilbau, Maschinenbau oder der chemischen Industrie. Weil die Nachfrage wegbricht und die Preise sinken, muss abgewertet werden.

Am Donnerstag warnte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bereits vor unangenehmen Überraschungen in den Schlussbilanzen: „Ein Teil der Produktion im vierten Quartal geht ins Lager“, sagte VCI-Präsident Ulrich Lehner in Frankfurt. Bei sinkenden Rohstoffpreisen reduziere sich der Wert dieser Lagerbestände beträchtlich. Bei der Inventur am Jahresende müssen die Unternehmen dann außerplanmäßige Abschreibungen auf ihr Vorratsvermögen, also Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie unfertige und fertige Erzeugnisse, vornehmen. Dazu zwingt sie der internationale Bilanzierungsstandard IAS. Wegen des massiven Konjunktureinbruchs liegt der Wert vieler Lagerbestände schon heute deutlich unter den Anschaffungs- und Herstellungskosten.

Eine Analyse des Handelsblatts zeigt: Die produzierenden Unternehmen aus den führenden Börsensegmenten Dax und MDax haben derzeit Vorräte mit einem Bilanzwert von 135 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Schon eine Abwertung um fünf Prozent würde die Unternehmen fast sieben Milliarden Euro kosten. Diese Abschreibungen schlagen voll auf den Gewinn durch. In einigen Branchen ist das Vorratsvermögen in den ersten neun Monaten des Jahres enorm gestiegen.

Auch im Verhältnis zum Eigenkapital haben die Lagerbestände eine kritische Größe erreicht. Die Norddeutsche Affinerie oder Heidelberger Druck haben beispielsweise mehr Vorratsvermögen in der Bilanz als Eigenkapital. Müssen diese Unternehmen stark abschreiben, geht es an die Substanz. mjh/sme

Viele produzierende Industrieunternehmen erwartet am Jahresende eine böse Überraschung. Als Folge des starken Wirtschaftsabschwungs bleibt es nicht bei Absatzeinbrüchen und Produktionsstopps. Wegen des rapiden Verfalls der Preise müssen die Firmen nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IAS obendrein noch ergebnisbelastende Abschreibungen auf ihr Vorratsvermögen vornehmen.

In den Bilanzen schlummern erhebliche Risiken, „die im Einzelfall sogar die Firmen in ihrer Existenz gefährden können“, sagt Christian Zwirner, Bilanzexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Kleeberg in München. Dies gelte insbesondere für Unternehmen mit einem in Relation zum Eigenkapital hohen Vorratsvermögen. „Sofern außerplanmäßige Abschreibungen zu einem Verlust führen, reduziert dieser das Eigenkapital“, erläutert Zwirner.

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