Konjunkturprogramme
Neue Milliardenaufträge für die Bahnindustrie

Die Bahnindustrie hat gute Aussichten, ungeschoren aus der Wirtschaftskrise zu kommen. Das zeigt eine neue Studie der Hamburger Unternehmensberatung SCI Verkehr. Die Konzerne hoffen dabei auf globale Konjunkturprogramme, denn der Heimatmarkt entwickelt sich schwach.

DÜSSELDORF. Der Bahnindustrie winken der Studie zufolge milliardenschwere Aufträge aus den weltweit verabschiedeten Konjunkturprogrammen zum Ausbau des Bahnwesens. Für deutsche Unternehmen wird der Heimatmarkt weiter an Bedeutung verlieren: Das Geld wird im Export verdient. Die Branche macht in Deutschland mit gut 40 000 Mitarbeitern etwa zehn Milliarden Euro Umsatz.

In den kommenden fünf Jahren sollen global über 180 Milliarden Euro zusätzlich in den Ausbau des Schienenverkehrs investiert werden, ermittelte SCI Verkehr. Absoluter Spitzeninvestor ist China: Von der Summe sollen allein in diesem und dem nächsten Jahr 130 Milliarden Euro in die Erneuerung und Erweiterung der chinesischen Eisenbahnen gesteckt werden.

Der Studie zufolge sind die regulären Budgets für den Bahnausbau außerhalb der Konjunkturprogramme in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. 2008 seien 115 Milliarden Euro ausgegeben worden, 150 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Dabei seien die Mittel klar konzentriert: Fast die Hälfte würde in China, den USA, Russland, Japan und Frankreich ausgegeben.

In den Konjunkturpaketen legten neben China vor allem Großbritannien und die USA besonderen Wert auf den Ausbau ihrer Bahnen. „Für die Bahnindustrie sind die USA bereits heute der größte Einzelmarkt. Das umfängliche Konjunkturprogramm von Obama mit 10,5 Milliarden Dollar für die Schiene verstärkt die Attraktivität dieses Marktes weiter“, sagte SCI-Geschäftsführerin Maria Leenen. Überlegungen der Deutschen Bahn und Siemens, diesen Zukunftsmarkt vielleicht sogar gemeinsam zu bedienen, ergäben vor diesem Hintergrund viel Sinn. Leenen: „Es könnte ein klassisches Privat-Public-Partnerschafts-Projekt werden – die private Finanzierung, Infrastrukturbau, Fahrzeuge und Betrieb aus dem renommierten Bahnexportland Deutschland.“

Im Heimatmarkt ist das Investitionstempo eher gedrosselt. Die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung sehen von 2009 bis 2014 lediglich 1,4 Milliarden Euro für den Bahnausbau vor. „Offenbar hat die Bahn in der politischen Landschaft unseres Landes selbst im Superwahljahr weniger Bedeutung als anderenorts“, meinte Leenen. Industrie und ihre Lobbyisten müssten sich fragen lassen, ob sie angesichts der vollen Auftragsbücher „zu wenig getrommelt“ hätten.

Bis zum Stichtag 30. Juni sei aus den Konjunkturprogrammen bei deutschen Unternehmen noch kein Auftrag hereingekommen, sagte Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). „Wir erwarten für unseren Bereich Mobility mittelfristig wichtige Impulse aus den staatlichen Konjunkturprogrammen, nicht nur bei Zügen, sondern auch in den Bereichen Bahn- und Verkehrsinfrastruktur“, sagte Hans-Jörg Grundmann, Chef der Siemens-Sparte Mobility. In den Unternehmen heißt es, Großaufträge müssten erst vorbereitet und dann ausgeschrieben werden. Das brauche Zeit.

Wenig Impulse kann die Branche derzeit von ihrem größten Kunden Deutsche Bahn erwarten. Ein Auftrag über rund hundert Güterzugloks wurde bereits zunächst für ein Jahr zurückgestellt. Auch der Milliardenauftrag „ICx“ zur Erneuerung der Intercity- und Teilen der ICE-Flotte wird Bahnkreisen zufolge nicht mehr in diesem Jahr erteilt: Industrie und Bahn seien in den Preisvorstellungen noch weit auseinander.

Der VDB bemängelt außerdem, dass die Deutsche Bahn bei den Aufträgen für den Erhalt des Schienennetzes „weit hinter Plan“ liege, obwohl der Bund die Mittel laufend anweise. Ein Bahn-Sprecher wies den Vorwurf als „nicht nachvollziehbar“ zurück. Die Bahn werde alle in diesem Jahr zur Verfügung stehenden Mittel wie geplant ausgeben.

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