Konkurrent Valeo gilt als Favorit
Visteon stellt Weichen für Verkauf

Nachdem sich in den vergangenen Wochen diverse Verkaufsgerüchte um den amerikanischen Autozulieferer Visteon rankten, ist der Konzern schon einen Schritt weiter. Visteon bereitet in Deutschland bereits einen Eigentümerwechsel vor. Der französische Konkurrent Valeo gilt dabei als heißester Kandidat.

hz FRANKFURT. Der Verkauf des US-Zulieferers Visteon nimmt Formen an. Der ehemalige Ford-Autoteilelieferant führe in Deutschland bereits Gespräche mit Arbeitnehmervertretern über eine für den neuen Eigentümer verbindliche Standort- und Beschäftigungssicherung, sagte Karl Reuber, Geschäftsführer der IG Metall Köln. Laut Informationen aus Branchenkreisen ist Visteon mit Hilfe von Investmentbanken dabei, das gesamte Unternehmen in einem Auktionsverfahren zu verkaufen.

Visteon hat sich bislang nicht zu den Verkaufsgerüchten geäußert. Die Gespräche mit den Belegschaftsvertretern sind nun ein erstes konkretes Signal dafür, dass der US-Konzern sich auf eine Übernahme einstellt. Zudem scheinen die Vorbereitungen weiter gediehen als gedacht. Weder in den USA noch in der Deutschland-Zentrale war dazu ein Kommentar zu erhalten.

Als aussichtsreichster Kandidat für eine Übernahme gilt der französische Automobilzulieferer Valeo. Der Nachrichtendienst „DebtWire“ hatte jüngst unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet, Valeo sei nach einer ersten Gebotsrunde der Topanwärter. Obwohl weder Visteon noch Valeo Verkaufsgespräche bestätigten, reagierte die Börse mit Kurssprüngen der Visteon-Aktie auf die Gerüchte, während die Valeo-Papiere verloren.

Der Kerpener Visteon-Betriebsrat Thomas Rösner stellte klar, dass das Deutschlandgeschäft nicht seperat verkauft werden solle. Es gehe bei den Gesprächen nur um einen möglichen Eigentümerwechsel auf Konzernebene. Erst vor wenigen Tagen hatte Visteon angekündigt, zwei der fünf Werke in Deutschland verkaufen und sich damit von der Hälfte der 2 800 Beschäftigten trennen zu wollen.

Valeo ist schon länger auf der Suche nach Übernahmekandidaten, um nach den Worten von Firmenchef Thierry Morin bei der Konsolidierung in der Zulieferbranche auf der aktiven Seite der Käufer zu stehen. „Wir schauen uns die Gelegenheiten an, die sich in Europa und Nordamerika präsentieren“, hatte Morin bei der Präsentation der Halbjahreszahlen gesagt. Insgesamt wolle Valeo für Zukäufe bis zu zwei Mrd. Euro mobilisieren. Für Visteon dürfte dies reichen: Der Konkurrent wird an der Börse derzeit mit 1,2 Mrd. Dollar bewertet. Analysten beurteilen allerdings eine mögliche Übernahme von Visteon durch Valeo skeptisch. „Allenfalls Teile des Unternehmens wie Elektronik sind für Valeo interessant“, meint Marc Gouget vom Pariser Broker Natexis Bleichroeder. Insider halten es für wahrscheinlich, dass sich Valeo bei einem Kauf später wieder von einigen Visteon-Sparten trennt.

Visteon stand 2005 kurz vor der Insolvenz, überlebte jedoch dank einer Milliardenhilfe von der ehemaligen Mutter Ford. Visteon ist mit einem Halbjahresumsatz von sechs Mrd. Dollar kaum kleiner als Valeo. Der US-Konzern schreibt in diesem Jahr voraussichtlich erstmals seit der Abspaltung von Ford im Jahr 2000 Gewinne. Visteon ist noch immer stark vom Ex-Mutterkonzern abhängig. Die von Ford verkündeten massiven Produktionssenkungen im vierten Quartal treffen den Zulieferer deshalb schwer.

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