Konkurrenten-Übernahme
Rosneft strickt an 15-Milliarden-Deal mit BP

Der russische Ölkonzern Rosneft will BP die Hälfte seines Anteils am russischen Rivalen TNK-BP abkaufen. Der geplante Deal soll Bankenkreisen zufolge ein Volumen von über 15 Milliarden Dollar haben.
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London/MoskauDer staatlich kontrollierte russische Ölkonzern Rosneft strickt Bankenkreisen zufolge an einer Finanzierung über 15 Milliarden Dollar, um dem Ölkonzern BP dessen Hälfte am russischen Rivalen TNK-BP abzukaufen. Bei Bankern in London hieß es am Mittwoch, Rosneft verhandele mit zwölf bis 14 Geldhäusern. Rosneft wolle Kredite aufnehmen und Anleihen ausgeben. Wie viel Geld Rosneft am Ende für den Kauf tatsächlich in die Hand nehmen könnte, ist unklar. Unabhängige Experten bewerten den BP-Anteil an TNK-BP mit rund 25 Milliarden Dollar.

TNK-BP ist der drittgrößte russische Ölkonzern. Er gehört zu je 50 Prozent der britischen BP und dem Konsortium AAR, das aus vier russischen Milliardären besteht. Beide Seiten haben sich zerstritten, weil BP mit Rosneft bei der Erschließung von Ölfeldern in der Arktis zusammenarbeiten wollte.

AAR bestand darauf, dass nicht BP selbst, sondern TNK-BP dort mit Rosneft Öl fördert. AAR sah eine Vereinbarung verletzt, die TNK-BP Vorrang bei BP-Aktivitäten in Russland einräumt. Experten vermuten ein Fünftel der weltweit noch unentdeckten Ölvorkommen in der Arktis.

Sollte BP seinen Anteil an Rosneft verkaufen und sich damit auch von AAR lösen können, sehen Experten wieder mehr Spielraum für den britischen Konzern für künftige Geschäfte in Russland. Am Dienstagabend hatte sich der russische Präsident Wladimir Putin mit dem BP-Chef Bob Dudley und dem BP-Verwaltungsratschef Carl-Henric Svanberg sowie dem Rosneft-Chef und engem Putin-Vertrauten Igor Setschin zusammengesetzt. Nach Angaben aus Putins Büro ging es dabei um einen Ausbau der BP-Präsenz in Russland. BP erklärte, zwar bei TNK-BP aussteigen, aber weiter in Russland aktiv bleiben zu wollen.

Finanziell hat sich die TNK-BP-Investition für BP ausgezahlt. Das Unternehmen war 2003 gegründet worden, BP hatte der Anteil damals sieben Milliarden Dollar gekostet. Allerdings machten sich nicht nur die Streitigkeiten mit den russischen Partnern negativ bemerkbar. Auch die Vorliebe der russischen Regierung, größere Ölfelder an staatseigene Betriebe zu vergeben, schränkte den Aktionsradius von TNK-BP deutlich ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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