Konkurrenten vermuten Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe
Hilfe von Bechtel und Halliburton im Irak gesucht

Die US-Regierung ist im Irak immer stärker auf die Hilfe von Unternehmen angewiesen. Vor allem die beiden US-Konzerne Bechtel und Halliburton profitieren davon, dass die Administration den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes allein nicht in den Griff bekommt.

NEW YORK. So haben die US-Behörden in Bagdad nach Informationen des Wall Street Journal das Auftragsvolumen für Bechtel kurzerhand um 350 Mill. $ oder 50 % erhöht. Halliburton soll nach einem Bericht der Washington Post inzwischen Aufträge im Wert von 1,7 Mrd. $ eingeheimst haben. Das ist weitaus mehr als bislang bekannt war.

Von der amerikanischen und ausländischen Konkurrenz wird der Auftragssegen für die beiden US-Konzerne argwöhnisch beäugt. Werden doch den beiden Infrastruktur-Anbietern exzellente Beziehungen ins Weiße Haus nachgesagt. US-Vizepräsident Dick Cheney zum Beispiel war vor seiner Rückkehr in die Washingtoner Regierung Chef von Halliburton. Im Aufsichtsrat von Bechtel wiederum sitzt der ehemalige US-Außenminister George Schultz. Er gilt als ein gefragter Berater von Präsident Bush.

Obwohl es bislang keine handfesten Beweise gibt, haben schon diese personellen Verflechtungen den Verdacht politischer Mauscheleien genährt. Halliburton-Sprecherin Wendy Hall wies jedoch darauf hin, dass militärische Kontrakte nicht von Politikern, sondern von Beamten nach „strikten Richtlinien“ vergeben würden.

Den demokratischen Kongressabgeordneten Henry Waxman überzeugen solche Aussagen nicht. Der Politiker vermutet, dass bei der Auftragsvergabe nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. „Die Summe ist atemberaubend, weitaus größer als man uns ursprünglich Glauben machen wollte“, sagte Waxman mit Blick auf das Halliburton-Honorar. Der Demokrat stößt sich vor allem daran, dass ein Großteil der Aufträge für Halliburton nicht ausgeschrieben wurde. Dabei ging es in erster Linie um das Löschen der Ölbrände im Irak. Die Regierung rechtfertigte sich damit, dass das Engagement von Halliburton Teil der Kriegspläne gewesen sei und man keine Zeit für eine Ausschreibung gehabt habe. Kürzlich zog sogar Bechtel sein Angebot für den Wiederaufbau der irakischen Ölindustrie zurück, weil sich der Konzern aus San Francisco gegen Halliburton keine Chancen ausrechnete.

Die Mitarbeiter von Halliburton reparieren jedoch nicht nur Ölanlagen. Das Unternehmen aus Houston in Texas übernimmt vielmehr eine Reihe von Infrastruktur-Dienstleistungen für die US-Armee im Irak – von der Zubereitung heißer Mahlzeiten über die Briefzustellung bis hin zum Bau und Betrieb ganzer Militärcamps.

Ein lohnendes Geschäft: Im zweiten Quartal steigerte der Einsatz im Irak den Konzernumsatz um fast 300 Mill. $. Halliburton konnte seinen Vorjahresverlust von 498 Mill. $ in einen Quartalsgewinn von 26 Mill. $ umwandeln.

Auch für Bechtel könnte sich die Arbeit im Irak als eine wahre Goldgrube erweisen. Im Gegensatz zu Halliburton konzentriert sich der Konzern auf zivile Aufgaben wie die Strom- und Wasserversorgung und den Bau von Straßen und öffentlichen Gebäuden. Fast täglich müssen die Amerikaner den Investitionsbedarf für den Wiederaufbau des Landes nach oben korrigieren. Nach Angaben des US-Statthalters in Bagdad, Paul Bremer, könnten die Kosten leicht die Marke von 100 Mrd. $ übersteigen.

Bechtel sollte nach heftiger Kritik von Konkurrenten an der Vergabepraxis eigentlich über die bereits bewilligten 680 Mill. $ keine neuen Staatsaufträge mehr erhalten. Die schiere Not in Bagdad hat die Regierung nun aber offenbar dazu veranlasst, weitere 350 Mill. $ für die Wiederherstellung der Stromversorgung zu bewilligen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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