Konkurrenz auf der Schiene
Bahn-Konkurrenz drückt Löhne

Im Nahverkehr gewinnen die Konkurrenten immer wieder öffentliche Ausschreibungen gegen die Deutsche Bahn. Nun platzt einem führenden Bahn-Manager der Kragen: Die Konkurrenz kaufe ihre Erfolge mit "Dumpinglöhnen", schimpft DB-Regio-Chef Ulrich Homburg.

BERLIN. Im Wettbewerb um die staatlichen Milliardenmittel für den Schienennahverkehr kämpfen die konkurrierenden Bahnen mit immer härteren Bandagen. Kürzlich kam es zu einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen zwei prominenten Eisenbahn-Managern: Ulrich Homburg, Vorstandschef der Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio, warf Günther Elste, Chef der Hamburger Hochbahn (HHA), auf einer Podiumsdiskussion in Berlin vor, dass dieser bei seiner Nahverkehrstochter Benex mit Dumping-Löhnen antrete und so Ausschreibungen gewinne.

Elste geriet, so ein Teilnehmer der Veranstaltung in der Niedersächsischen Landesvertretung, sichtlich aus der Fassung. Mit ihm gebe es keine Dumpinglöhne, erklärte der Hamburger empört, der seit Jahren Präsident des renommierten Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen ist. Anlass für den Vorwurf von Homburg war ein Internet-Stellenangebot der Bundesagentur für Arbeit. Eine Firma Tereg Gebäudedienste suchte dort für den Arbeitsort Görlitz zehn Zugbegleiter für einen Stundenlohn von 7,44 Euro plus Zuschlägen. DB Regio, so Homburg, sei bundesweit an Tarifvereinbarungen gebunden, die einen Mindest-Stundenlohn von gut 13 Euro vorsehen.

Tereg ist eine Tochter des Hamburger Hochbahn-Konzerns. Sie sucht die Zugbegleiter für die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG). Diese, eine Tochter von Benex und des britischen Nahverkehrskonzerns Arriva, hatte die Ausschreibung für vier Linien des „Spree-Neiße-Netzes“ gewonnen und startet dort zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember.

Der Dumping-Vorwurf sei „absurd“, sagte die HHA dem Handelsblatt. Mit Zuschlägen würden die neu eingestellten Zugbegleiter auf eine Stundenvergütung von knapp 8,50 Euro kommen. Übernommene Beschäftigte würden den Besitzstand wahren. Das sei in der strukturschwachen Region Lausitz „absolut arbeitsmarktkonform“, erklärte Elste.

In Internetforen klingt das anders. In anonymen Beiträgen ist von „Frechheit“ und „Raubtierkapitalismus“ die Rede. Ein Schreiber verweist allerdings darauf, „dass man als Zugbegleiter in der Lausitz kein Chefarztgehalt erwarten darf“. Doch wenn er sich die Tarife der Gebäudereiniger ansehe, falle es ihm schwer, an eine faire Bezahlung zu glauben.

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