Konkurrenz aus Asien bleibt unschlagbar
Deutsche Werften bauen weiter Stellen ab

Die deutschen Werften haben immer weniger Wasser unter dem Kiel:

Bereits in 2003 seien dem Rotstift mehr als 1 100 Stellen zum Opfer gefallen. Dies geht aus einer Umfrage der IG Metall unter den Betriebsräten von 40 deutschen Werften hervor. Zum Vergleich: 1990 waren noch mehr als 60 000 Arbeitnehmer im Schiffbau beschäftigt.

In der westdeutschen Werftindustrie würden nach Angaben von IG Metall-Bezirkschef Frank Teichmüller in den nächsten zwölf Monaten vor allem die geplanten Entlassungen von 800 Arbeitsplätzen bei der Howaldtswerke-Deutsche- Werft AG (HDW) sowie 390 bei der auf den Passagierschiffbau spezialisierten Papenburger Meyer Werft zu Buche schlagen. Bei den Ost-Werften sind rund 350 Stellen bei der Aker-MTW Werft in Wismar und der Kvaerner Warnow Werft in Warnemünde betroffen. Zudem wären durch die Insolvenzen der SSW Fähr- und Schiffsbaugesellschaft, Bremerhaven, der Flender Werft, der Lübecker Maschinenbau Gesellschaft (LMG) sowie der Cassens-Werft weitere 608 Arbeitsplätze akut gefährdet.

Für die IG Metall gibt es deshalb nur einen Weg aus der Krise: „Allein Arbeitsplatzabbau, Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld, sowie der Ruf nach staatlichen Subventionen ersetzt nicht eine dringend notwendige Industriepolitik“, sagte Teichmüller. Er fordert die Bundesregierung deshalb zum wiederholten Male auf, „wirkliche Schutzmaßnahmen für den deutschen Schiffbausektor“ zu vereinbaren, um sich gegen die Dumping-Preis-Politik der koreanischen Werften zu wehren. Zum Hintergrund: Die Südkoreanischen Schiffbauer befinden sich gegenüber der europäischen Konkurrenz im Vorteil. Durch hohe staatliche Subventionen können sie beispielsweise Containerschiffe deutlich preiswerter bauen können. Weltweit kaufen daher immer mehr Reeder - auch Deutsche - ihre Schiffe in dem asiatischen Land. Um sich gegen diese Wettbewerbsverzerrung zu wehren, klagt die europäische Werftindustrie vor der World Trade Organization (WTO) gegen die Koreaner. Eine Entscheidung wird für Frühjahr 2004 erwartet. Ob dieser Termin eingehalten wird, bezweifelt allerdings der IG Metall-Bezirkschef.

Auch der europäische Dachverband der Werften (Cesa) hat den Ernst der Lage erkannt. „Gegen solche Kamikaze-Methoden der Koreaner können wir wenig machen. Dennoch müssen wir versuchen, durch verschiedene Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schiffbauer wieder zu verbessern,“ sagte Cesa-Vertreter Reinhard Lüken. Er fordert vor allem, dass die Länder den Schiffbauern bei der Finanzierung von Neubauten helfen. „Es wird derzeit an Modellen gearbeitet, dass die Länder die Werften mit Bürgschaften unterstützen sollen.“ Hintergrund hierfür ist, dass die Banken sich zunehmend aus der Finanzierung von Neubauten zurückziehen. Sie sind offenbar nicht mehr bereit, die Risiken zu tragen. Lüken fordert zudem, dass den Schiffbauern eine Konsolidierungsbeihilfe gezahlt werden sollte, um ihnen eine notwendige Stilllegung von nicht rentablen Firmenstandorten zu erleichtern.

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