Konkurrenz aus China erschwert das Geschäft
Europas Stahlhersteller wollen höhere Preise durchsetzen

Die europäischen Stahlkocher rechnen weiter mit einem für sie günstigen hohen Preisniveau. Vor allem der Flachstahl für die Autohersteller, dem wichtigsten Kunden der Branche, wird im ersten Quartal 2004 teurer. Unklar ist aber, wie hoch die Preiserhöhung ausfallen wird. Zur Zeit liegt der Tagespreis für eine Tonne Stahl (Warmbreitband) bei rund 310 Euro.

DÜSSELDORF. Das ist zwar weniger als zu Jahresbeginn, liegt aber noch 50 % über dem Vorjahresniveau. Weltmarktführer Arcelor setzt bereits ein Signal: Im kommenden Jahr wolle man „höhere Preise für Flachstahl durchbekommen“, sagte ein Sprecher.

Auch Thyssen-Krupp, der deutsche Branchenprimus, will an der Preisschraube drehen, ebenso Salzgitter, die Nummer zwei. Wie bei vielen Herstellern laufen dort derzeit Vertragsgespräche mit der Autoindustrie: „Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen mit einer Preiserhöhung abgeschlossen werden“, sagte Salzgitter-Chef Wolfgang Leese dem Handelsblatt. Die Verträge mit den Autobauern sind wichtig, weil sie Laufzeiten von bis zu drei Jahren haben. Bei Thyssen-Krupp sind über 60 % des Umsatzes in diesen Verträgen gebunden.

Doch Experten sehen in den Ankündigungen „psychologische Ziele“, es gehe auch darum „gute Stimmung zu machen“, sagte ein Analyst. Die Stahlkocher haben es zwar geschafft, in einem schwierigen Marktumfeld in diesem Jahr offiziell die Preise stabil zu halten: „Tatsächlich hat man aber vielen Kunden zuletzt auch Rabatte gewährt“, sagt Pascal Spano von Deutsche Bank Research. Jetzt gehe es darum diese wieder auszubügeln. Der Kampf um das Preisniveau hat die Unternehmen Geld gekostet. Das Nachfrageloch im Sommer haben die Hersteller mit einem Produktionsabbau überbrücken müssen. Nach wie vor sei die Branche unsicher, meint Spano. Es gebe bislang keine klaren Trends für 2004.

Immerhin: Der internationale Markt für Edelstahl ist nach Angaben des International Stainless Steel Forum (ISSF) in diesem Jahr wegen der Nachfrage aus China stärker gewachsen als angenommen. Die Weltproduktion wuchs um 8,2 %, Westeuropa und Afrika legten um 6,8 % zu. In Europa sei die Produktion auf Grund der schlechten Konjunktur im dritten Quartal zwar wieder zurückgegangen, für 2004 erwartet der ISSF aber international eine Rekordproduktion.

Gute Nachrichten gibt es auch aus Deutschland: die Wirtschaftsvereinigung Stahl sieht im September ein Auftragsplus von 4,2 % zum Vorjahr. Die Branche wertet dies nach den Minusraten zuvor als Zeichen für eine Trendwende. Auch im Oktober und November werde die Nachfrage anziehen, heißt es.

Sorge bereitet Stahlmanagern wie Wolfgang Leese die rasante Entwicklung in China – heute weltgrößter Produzent und Verbraucher: „Bei den Verhandlungen mit den Rohstofflieferanten für Metalle und Schrott haben die Europäer inzwischen eine schlechte Position“, sagt Leese. Der chinesische Appetit treibt die Tagespreise. „China wird zudem in wenigen Jahren in der Lage sein, sehr gute Stahlqualitäten zu erzeugen“, sagt Susanne Schwartze von MM Warburg. Analysten sind sich daher einig: Europas Hersteller müssen immer mehr in die Rolle von Autozulieferern schlüpfen und die Zahl langfristiger Verträge erhöhen. Erste Schritte sind bereits gemacht: Inzwischen liefern viele Stahlkocher sogar schon vorlackierte Produkte.

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