Konkurrenz aus Frankreich
Siemens könnte Auftrag für ICE verlieren

Die Deutsche Bahn ist offen für einen Kauf von Hochgeschwindigkeitszügen in Frankreich. Das erklärten Bahnsprecher am Montag in Zeitungsinterviews. Der Siemens -Konzern, der bisher maßgeblich an allen deutschen Hochgeschwindigkeitsprojekten beteiligt war, könnte damit erstmals einen Auftrag für den ICE verlieren.

str/HB BERLIN. Bei der laufenden Ausschreibung für die Lieferung 15 internationaler Hochgeschwindigkeitszüge gelte der französische TGV-Hersteller Alstom als Mitfavorit, hieß es. Der Auftrag gilt als Weichenstellung für den künftigen Europaverkehr mit Tempo 300 und mehr. Weltmarktführer Alstom geht mit seinem Zug "Alstom Grande Vitesse" (AGV) ins Rennen, der am Dienstag seine Weltpremiere in der Atlantikstadt La Rochelle feiert. Der Zuschlag für den Bau der ICE-Züge werde bis Juni erwartet, sagte Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie.

Erwartet wird ein harter Preiskampf zwischen Alstom und Siemens. Für die Franzosen wäre der DB-Auftrag ein weiterer großer Erfolg. Mit der Lieferung von 25 AGV nach Italien im Wert von 700 Mill. Euro hat Alstom kürzlich bereits einen ersten Exportauftrag gewonnen. Bei Siemens wollte man sich zur DB-Ausschreibung nicht näher äußern. "Wir prüfen erstmal die Unterlagen und entscheiden dann über eine Beteiligung", erklärte eine Sprecherin der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" und der "Stuttgarter Zeitung".

Die Große Koalition betrachtet die Überlegungen der Deutschen Bahn gelassen. Ich "würde mir zwar wünschen, dass der Auftrag an ein deutsches Unternehmen geht. Am Ende sind aber allein Preis und Qualität ausschlaggebend", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD -Bundestagsfraktion, Rainer Wend, dem Handelsblatt. "Ein deutscher Hersteller muss sich dem Wettbewerb genau so stellen wie ein französischer", sagte der SPD -Politiker. Die Beschaffung einer neuen Generation von Schnellzügen sei "eindeutig kein Fall für die Politik". Eine Einflussnahme des Bundes als Eigentümer der Bahn lehne er daher ab.

Auch der immer wieder erhobene Vorwurf, die französische Regierung schütze ihrerseits die eigene Industrie vor Wettbewerbern aus dem Ausland, tauge nicht zur Rechtfertigung der Bevorzugung eines deutschen Unternehmens. "Würde ein deutscher Hersteller bevorzugt, ermutigte ihn das, geringere Qualität zu nicht wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Daran kann niemand ein Interesse haben."

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