Konkurrenz für China
Die Inder kommen

Niedrige Kosten, innovative Geschäftsmodelle: Indiens neue, selbstbewusste Unternehmergeneration drängt auf den Weltmarkt - und schreckt auch vor Übernahmen nicht zurück.

HB DÜSSELDORF. Als der indische Stahl-Magnat Lakshmi Mittal Anfang des Jahres nach Arcelor griff, rieb sich ganz Europa verwundert die Augen. Aus dem Nichts und in Windeseile hatte der Inder den größten Stahlkonzern der Welt geformt. Die Übernahme von Arcelor als Ikone der westeuropäischen Industrie wäre sein größter Coup.

Auch andere Inder machen Schlagzeilen im Ausland. Ihre Heimat gebiert Unternehmen, die global agieren. Sie gewinnen als neue Lieferanten, Konkurrenten und Kaufinteressenten auch für deutsche Firmen an Bedeutung. Ihre Ankunft auf der Weltbühne demonstrieren Indiens Entrepreneure dieses Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sowie als Partnerland der Hannover Messe Ende April. "Manager, denen zu Hause die Modernisierung ihrer Firmen gelungen ist, packt der Ehrgeiz", begründet Baba Kalyani den Drang ins internationale Rampenlicht, "sie sind vom selben Entdecker-Geist beflügelt wie einst Christoph Columbus und wollen ihren Erfolg im Weltmaßstab wiederholen."

Vor zehn Jahren kannte niemand den Mehrheitseigner von Bharat Forge. Heute ist seine Firma der zweitgrößte Schmiedekonzern der Welt, beliefert Mercedes und Volkswagen und schickt sich an, mit Großinvestitionen in Indien und einer Akquisitions-Serie in Deutschland, China, Schweden und den USA, den deutschen Weltmarktführer Thyssen-Krupp vom Thron zu stoßen. Bis vor fünfzehn Jahren duckten sich Unternehmer wie Kalyani noch unter das Joch der Planwirtschaft.

Heute ist der anfängliche Liberalisierungsschock längst überwunden. Die Wirtschafts-Denkfabrik der Vereinten Nationen, Unctad, hat errechnet, dass indische Firmen im Jahr 2004 rund 2,2 Mrd. Dollar im Ausland investiert haben. Das ist fast halb so viel wie Ausländer im selben Jahr in Indien investierten. China brachte es 2004 nur auf 1,8 Mrd. Dollar Auslandsinvestitionen, obwohl das Land im selben Zeitraum 60 Mrd. Dollar von internationalen Firmen erhielt. Der Vergleich zeigt, dass indische Firmen stärker über den Tellerrand ihres Landes schauen und aktiver nach neuen Chancen auf den Weltmärkten suchen. Mit fit getrimmten Firmen und innovativen Geschäftsmodellen nutzt eine neue Generation risikofreudiger Firmenchefs die Standortvorteile des Landes zur Globalisierung ihrer Geschäfte. Mit Hilfe von Lohnkosten, die weit unter denen des Westens liegen, drängen Indiens führende Technologie-Firmen TCS, Infosys und Wipro unter die Top Ten der globalen IT-Dienstleister. Auch Pharmafirmen haben große Ambitionen. Um vom zehntgrößten Generikahersteller der Welt zur Nummer fünf zu werden, sucht Ranbaxy auch in Deutschland nach Übernahmezielen.

Seite 1:

Die Inder kommen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%