
TOKIO/FRANKFURT. Die Globalisierung auf dem Pharmamarkt wird spürbar - besonders im Verhältnis zwischen Japan und Europa. Die Japaner drängen nach Europa, die Europäer nach Japan. Das Ergebnis: schärferer Wettbewerb bei Nachahmermedikamenten - und mehr echte Innovationen.
Für Japans Arzneimittel-Hersteller ist es das "Jahr-2010-Problem", für ausländische Konkurrenten die Chance auf neue Absatzmöglichkeiten: In diesem Jahr laufen viele Medikamenten-Patente japanischer Konzerne aus. Ausländische Anbieter nutzen diese Lücke und machen sich zugleich auf dem aussichtsreichen japanischen Generika-Markt breit, indem sie Allianzen mit japanischen Konkurrenten suchen. "Solche Zusammenschlüsse werden wohl noch länger anhalten, denn sie können beiden Seiten Vorteile bringen", sagt Mitsuo Sawai, Chef von Sawai Pharma. Die Konsolidierung des Markts ist in vollem Gange. Jüngstes Beispiel sind die Franzosen von Sanofi-Aventis. Der französische Pharma-Riese gab vor wenigen Wochen bekannt, eine Allianz einzugehen mit dem japanischen Pharma-Unternehmen Nichi-Iko Pharma, um Generika in Japan zu verkaufen.
Andere denken zumindest im Bereich Forschung und Entwicklung an die Suche nach Partnern. "Den Weg alleine zu gehen hat Beschränkungen", warnt Yasuchika Hasegawa, Präsident des größten japanischen Herstellers Takeda. So will Hasegawa den Etat für die Suche nach neuen Medikamenten verdoppeln auf 20 Milliarden Yen (178 Millionen Euro) und deutet dabei auch die Zusammenarbeit mit amerikanischen und europäischen Firmen an. Nichi-Iko ist schon einen Schritt weiter. Das Unternehmen wird Sanofi-Aventis im Juni 1,52 Millionen Aktien über eine private Platzierung anbieten. Die Franzosen werden etwa fünf Milliarden Yen ausgeben, um einen Anteil von fünf Prozent an Nichi-Iko zu erlangen. Die beiden Unternehmen wollen zudem ein Joint Venture eingehen.
Es geht um viel Geld
Die neue japanische Regierung forciert derzeit die Ausweitung von Generika angesichts eines immer teurer werdenden Gesundheitssystems. Generika sind wirkstoffgleiche, aber billiger produzierte Nachahmer-Medikamente. Arzneimittel machen in Japan rund ein Fünftel der gesamten Gesundheitskosten aus. Angesichts der demografisch ältesten Gesellschaft der Welt gilt Japan von jeher als aussichtsreiche Absatzbasis. Der dortige Verschreibungsmarkt ist mit knapp neun Billionen Yen jährlich der zweitgrößte der Welt. Hinzu kommt der Bereich der frei verkäuflichen Medikamente, der zehn Milliarden Euro groß sein soll.
Im vergangenen Sommer hat die japanische Regierung die Apothekenbindung für nicht-verschreibungspflichtige Medikamente aufgehoben. Seither dürfen auch Supermärkte leichte Arzneien verkaufen. Wie wichtig der japanische Markt ist, zeigt auch der Umsatz der Asien-Sparte von Bayer. Japan bringt den Deutschen rund 1,09 Milliarden Euro ein und damit so viel wie die gesamte restliche Asien-Region.