Konkurrenz unter Druck
Siemens liefert die digitale Fabrik

Siemens will mit dem Kauf der US-Softwarefirma UGS den Markt für Industrieautomatisierung revolutionieren – und der Konkurrenz davoneilen. Durch die Übernahme wird der Konzern als erster ein kombiniertes Produkt auf den Markt bringen: Mit ihm können Kunden die Entwicklung neuer Produkte und die Gestaltung neuer Herstellungsanlagen eng aufeinander abstimmen.

LONDON. „Digitale Fabrik“, nennt dies Helmut Gierse, Chef der Konzernsparte Automation and Drives (A&D), im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir verändern die Spielregeln in der Branche“, sagt UGS-Chef Tony Affuso.

Laut Analysten ist dies nicht zu hoch gegriffen: Siemens setzte die Konkurrenz enorm unter Zugzwang. „Zum ersten Mal erweitert ein Automatisierungsanbieter seinen Aktionsradius über die Produktionsanlagen hinaus auf das tatsächlich gefertigte Produkt“, sagt David Humphrey, Research-Direktor der ARC Advisory Group in München. Damit vereine der Konzern die reale Welt der Fabrik mit der virtuellen Welt der dreidimensionalen Design-Software.

Siemens hat Anfang des Jahres die Übernahme von UGS für 3,5 Mrd. Dollar bekannt gegeben. Die Münchener kennen UGS von gemeinsamen Pilotprojekten zum Thema „Digitale Fabrik“. Schon auf einer früheren Hannover-Messe haben die Unternehmen demonstriert, wie sich mit Hilfe der Simulation am Computer Entwicklung und Fertigung optimieren lassen. Designer und Ingenieure können am Computer zum Beispiel nicht nur ein neues Automodell gestalten und konstruieren, sondern auch gleich noch die Fertigungslinie, auf der es produziert wird.

So lassen sich die komplette Entwicklung und Produktion simulieren und Fehler schon in der virtuellen Welt eliminieren. Wenn die Produktion real startet, fällt der größte Teil der üblichen Hochfahrzeit von sechs bis zwölf Monaten weg. „Der Übergang von Entwicklung zu Produktion ist der teuerste, zeitintensivste Abschnitt“, bestätigt Marc Halpern von der Beratungsfirma Gartner.

Eine Zeitersparnis von 40 Prozent von der Idee bis zum Endprodukt hält Gierse für realistisch. Ein großer Vorteil für eine Industrie, die immer mehr davon lebt, in schneller Folge neue Modelle auf den Markt zu bringen. Als frühe Anwender sieht Gierse neben den Autokonzernen Flugzeugbau, Maschinenbau und Elektrotechnik. Integrierte Produkte werde Siemens ab 2008 anbieten. Die Technologie sei für Firmen ab 80 Mill. Euro Jahresumsatz interessant.

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