Konsequenzen auch für Finanzwelt
Wo die Schuldenberge am höchsten sind

Die wegen zahlreicher Groß-Akquisitionen in 90er Jahren auftürmten Schuldenberge machen niederländische Börsenkonzerne für die derzeitige Konjunkturflaute deutlich anfälliger als Konzerne aus anderen europäischen Ländern und den USA. Zu diesem Urteil kommt eine Studie der niederländischen Zentralbank DNB.

BRÜSSEL. Ende der 90er Jahre profilierten sich die Niederländer als Übernahmeweltmeister. Die großen Börsenkonzerne machten durch Milliardenübernahmen, insbesondere in den USA, von sich reden: Ahold, ASML, Buhrmann, Getronics, KPN, Numico, Philips, Unilever oder VNU sowie die Finanzinstitute ABN Amro, Aegon und ING. Ende 2001 hatten niederländische Unternehmen fast 84 % des Bruttoinlandsprodukts – rund 300 Mrd. Euro – im Ausland investiert. Das ist relativ gesehen doppelt soviel wie in anderen Ländern Europas, schreibt die DNB.

Die ausländischen Akquisitionen wurden vor allem mit Obligationen finanziert, und viele Konzerne schienen sich dank hoher Marktkapitalisierungen enorme Schulden leisten zu können. Im Jahr 2001 betrug der Anteil der Verschuldung am Eigenvermögen sage und schreibe 80 %. Die Verschuldungsrate ist doppelt so hoch wie in den USA, berechnete die DNB. Für die Unternehmen der Eurozone beträgt der Wert 60 %, weswegen auch sie für die wirtschaftliche Krise weniger anfällig sind als die Niederländer.

Die Probleme der hohen Verschuldungen treten nun infolge teilweise drastischer Gewinneinbrüche und der Baisse an den Börsen zutage. Vergangenes Jahr häuften die börsennotierten Konzerne – mit Ausnahme der Finanzinstitute – insgesamt 3,9 Mrd. Euro Verluste auf. Ihre Gewinnmarge sank binnen zwei Jahren von plus 6,5 % auf minus 1,7 %. „In den vergangenen 25 Jahren war die Nettogewinnmarge nie negativ“, schreibt die DNB.

Als Ursachen nennt sie die Weltwirtschaftskrise sowie die hohen Abschreibungen auf den mit den Übernahmen verbundenen Goodwill. Hinzu kamen Sanierungskosten bei den Unternehmen, die sich wie Ahold, Buhrmann, Getronics, Numico oder KPN an den Zukäufen verschluckt haben. Diese Konzerne haben inzwischen auch neue Vorstände.

Von Anfang 2002 bis zum ersten Quartal 2003 verdampften bei den Großkonzernen rund 160 Mrd. Euro an Börsenwert. Verschuldung, Börsenbaisse und Gewinnflaute beeinträchtigen nicht nur deren Kreditwürdigkeit: Nahezu alle wurden seit 2001 von den Rating-Agenturen mindestens ein Mal herabgestuft. Zudem ist eine Eigenkapitalverstärkung nur begrenzt möglich. Die erforderlichen Schuldentilgungen und Bilanzsanierungen verringern zudem die Flexibilität und gehen zu Lasten der Investitionen. „Dadurch wird die niederländische Konjunkturerholung gebremst und das Wachstumspotential geschmälert“, resümieren die Ökonomen der DNB.

„Die niederländischen Unternehmen bezahlen den Preis für die Ungleichgewichte, die während der Börsenhausse in den Bilanzen entstanden sind“, urteilen die Ökonomen der Zentralbank. Das niedrige Zinsniveau habe sie aber vor einer noch tieferen Krise bewahrt. Sie bezahlen inzwischen 30 % des Gewinns für Zinsen. Mitte der 90er war die Zinslast zwei Drittel niedriger.

Auch für die Finanzwelt hat die angespannte Situation Konsequenzen. Die gestiegenen Risiken bei den Betrieben beeinträchtigten insbesondere das Funktionieren des Aktienmarktes und den Markt für Wagniskapital. Die verschlechterte Lage der Unternehmen habe jedoch keine Systemkrise verursacht. Insbesondere weil die Folgen für die Banken begrenzt geblieben seien, unter anderem wegen des geringen Gewichts von Aktien in den Bankbilanzen und der starken Vermögensposition niederländischer Kreditinstitute. Daher könnten diese ihre traditionelle Rolle als stabile Finanziers weiter erfüllen.

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